Tornado-Einsatz : Geheimdienste warnen vor erhöhter Terrorgefahr

Der geplante Einsatz von Tornados der Bundeswehr in Afghanistan sorgt weiter für Diskussionen. Nach Erkenntnissen der Geheimdienste wird der Einsatz die Terrorgefahr in Deutschland "erheblich erhöhen".

Berlin/Kabul - Die Abgeordneten des Bundestages würden bei ihrer Entscheidung Anfang März vor einer "schweren Abwägung" stehen, sagte ein hochrangiger Geheimdienstler in Berlin.

Aus Kreisen der deutschen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul war zu hören, dass die bevorstehende militärische Verstärkung durch die "Tornados" am Hindukusch "offensichtlich Al Qaida veranlasst hat, Terrorzellen in der Bundesrepublik zu alarmieren". Die Ermittler hätten entsprechende Nachrichten im Internet und "Hinweise aus dem Äther" abgefangen.

Die Bundestagsabgeordneten werden voraussichtlich am 28. Februar in erster Lesung über den Antrag der Bundesregierung diskutieren, Aufklärungsmaschinen nach Afghanistan zu schicken. Sie sollen den verbündeten Kampffliegern bei ihren Angriffen auf die Taliban die Zieldaten liefern. Die abschließenden Beratungen über die umstrittene Entsendung wird es am 8. oder 9. März geben. Wie ddp erfuhr, werden wahrscheinlich statt der zunächst beabsichtigten sechs sogar zehn Tornados entsandt. Sie sollen über ganz Afghanistan operieren, besonders im umkämpften Süden.

Taliban machen "schlechte Stimmung" gegen Deutsche

"Mit der Verstärkung unseres militärischen Engagements am Hindukusch werden wir jetzt zusehends den verhassten Besatzern zugerechnet", warnt ein Bundeswehroffizier in Kabul. Die Taliban würden bei der Bevölkerung gegen die Deutschen genauso "schlechte Stimmung machen wie gegen die Amerikaner, Briten und Kanadier". Die Nato ist beunruhigt, weil eine Kommission des kanadischen Senats der Regierung in Ottawa empfohlen hat, nicht nur wegen der schweren Verluste die kanadischen Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Das sollte auch wegen der Drohungen von Al Qaida geschehen. Die Terrororganisation habe wegen des harten Vorgehens der kanadischen Soldaten im Süden Afghanistans mit Anschlägen in Kanada gedroht, war aus den Geheimdiensten in Kabul zu erfahren.

Deutsche Parlamentarier verwiesen auf die jüngsten Ausführungen des Präsidenten des Bundesverfassungsschutzes, Heinz Fromm. Er warnte, dass das verstärkte Bundeswehrengagement in Afghanistan zu einer erhöhten Terrorgefahr in Deutschland führen könnte. Mit Blick auf die bevorstehende Entscheidung des Bundestages sagte der Wehrexperte der Grünen, Winfried Nachtwei: "Eine solche Aussage muss in die Risikoabwägung des Parlaments einbezogen werden. Sie darf aber nicht zu dem Fehlschluss führen, als ließen sich islamistische Terroristen durch Verzicht auf eine direkte Terrorbekämpfung beschwichtigen. Die Bekämpfung des Terrors muss präziser und weitsichtiger werden".

Angst vor "schmutzigen Bomben"

Fromm hatte sogar die Möglichkeit angedeutet, dass die islamistischen Terroristen als Vergeltung für das Vorgehen der Bundeswehr in Afghanistan sogenannte "Schmutzige Bomben" in der Bundesrepublik zur Explosion bringen könnten. Die Geheimdienste haben schon seit langem große Angst vor solchen Anschlägen. Nach einer Studie der Wiener UN-Behörde zur Bekämpfung von Terrorismus (UNODC) könnten etliche terroristische Gruppierungen eine solche "Dirty Bomb" herstellen. Bei diesen Bomben wird konventionellen Sprengsätzen radioaktives Material beigemischt, so dass bei einer Explosion Strahlung freigesetzt würde. (Von Friedrich Kuhn, ddp)

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