Tote deutsche Geisel : Die einzigen Zeugen

Nach dem Tod des Ingenieurs in Afghanistan müssen nun Rechtsmediziner klären, wie er gestorben ist.

Freiburg - Der Tod des deutschen Bauingenieurs, der in afghanischer Geiselhaft gestorben ist, gibt weiter Rätsel auf. Noch immer ist nicht bekannt, wie der 44-jährige Rüdiger D. ums Leben kam. Rechtsmediziner sollen nun Antworten zu den vielen ungelösten Fragen finden. Die Leiche des Ingenieurs wird derzeit im Rechtsmedizinischen Institut in Köln obduziert. Die Autopsie soll vor allem klären, ob der Mann bereits tot war, als ihm Schussverletzungen zugefügt wurden, oder ob sie die Todesursache waren.

Ein Mitarbeiter des Rechtsmedizinischen Instituts in Köln, in dem die Leiche untersucht wird, sagte der „Bild am Sonntag“: „Um die Todesursache zu klären, brauchen wir eine genauere Auswertung. Dafür werden unter anderem Gewebeproben analysiert und die Verletzungen durch Röntgenaufnahmen untersucht.“ Offizielle Ergebnisse der Tests werden voraussichtlich am Ende dieser Woche vorliegen.

Eine Obduktion wird in Deutschland grundsätzlich angeordnet, wenn die Todesursache eines Menschen zweifelhaft ist. Von der Strafprozessordnung her wird die Leichenöffnung dann nötig, wenn sich eine Straftat nicht ausschließen lässt, erläutert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin, Professor Stefan Pollak.

In einfachen Fällen – wenn der Tod erst kurze Zeit zurückliege oder eine natürliche Ursache bestätigt werden solle – könne das in zwei bis drei Stunden erledigt sein, sagte der geschäftsführende Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Universitätsklinik Freiburg weiter. Bei langen Liegezeiten einer Leiche, bei zahlreichen Verletzungen oder konkurrierenden Todesursachen könne eine Obduktion aber viele Tage in Anspruch nehmen.

So wie im Fall des toten Rüdiger D. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht hier die Frage, ob die Entführer ihn erschossen haben oder seine Leiche nach seinem Tod geschändet haben. Dann müssen die Experten allerdings herausfinden, woran der Ingenieur tatsächlich gestorben ist. Ein Schuss in den lebenden Körper führt wegen des noch schlagenden Herzens zu inneren Blutungen. „In diesem Fall erwarten Rechtsmediziner Blutungen in der Nachbarschaft des Schusskanals“, sagte Pollack. Wenn der Mann dagegen zum Zeitpunkt des Schusses schon tot war, sollte es keine oder nur kleine Blutungen gegeben haben.

Sollte Rüdiger D., wie zunächst vermutet, an den Strapazen der Haft in Afghanistan gestorben sein, könnte er einen Herzinfarkt erlitten haben. Dies lasse sich an der Veränderung des beim Infarkt abgestorbenen Muskelgewebes ablesen, sagte Pollack. Dies könne man mitunter schon mit dem bloßen Auge erkennen. Zudem lasse sich bei einem Infarkt das auslösende Blutgerinnsel finden, so der Experte weiter. dpa

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