Tote Frauen in Höxter-Bosseborn : Ging es um sadistische Machtspiele?

Der mutmaßliche Täter von Bosseborn ist bisher nicht geständig. Deshalb hofft die Polizei, dass mögliche weitere Opfer melden.

Anselm Schindler
Polizeipräsenz statt Dorfidylle: Seit einer Woche herrscht große Aufregung in Bosseborn.
Polizeipräsenz statt Dorfidylle: Seit einer Woche herrscht große Aufregung in Bosseborn.Foto: Friso Gentsch/dpa

Im Fall der Folterexzesse eines Paares aus dem nordrhein-westfälischen Höxter-Bosseborn, bei dem mindestens zwei Frauen zu Tode gekommen sind, ist der Beschuldigte Wilfried W. bisher nicht geständig. Seit vergangener Woche sitzt W. in Untersuchungshaft. Sein Anwalt André Pott war am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Neue Erkenntnisse hat das zuständige Ermittlerteam aus Bielefeld derweil aus der Vernehmung einer 51-jährigen Frau aus dem Großraum Berlin gewonnen. Die Frau wurde laut den Ermittlern für drei Monate in dem Gehöft in Bosseborn gefangen gehalten, bis das Paar sie im März 2012 freiließ. Aus Angst vor möglichen Racheaktionen durch ihre Peiniger hatte sich die Frau nicht an die Polizei gewendet. Erst als sie das Gehöft in der Berichterstattung erkannte, meldete sie sich bei den Ermittlern.

Dreimonatiges Martyrium

Kennengelernt hatte die Frau aus dem Großraum Berlin den Beschuldigten Winfrid W. auf ein Kontaktgesuch hin, das dieser in den vergangenen Jahren regelmäßig bundesweit in diversen Zeitungen schaltete. Nach ersten Telefonaten war die 51-Jährige bereits im Sommer 2011 für drei Wochen zu Besuch bei dem Beschuldigten. Damals kam es allerdings nicht zu Misshandlungen. Im Dezember 2011 entschloss sich die Frau dann zu einem weiteren Aufenthalt, damit begann für sie das dreimonatige Martyrium. Als die 51-Jährige bei einem Streit im März des selben Jahres schwere Verletzungen erlitt, fuhren sie die Beschuldigten Wilfried W. und seine Ex-Frau Angelika B. zu einem Bahnhof und setzten sie in einen Zug nach Berlin.

Sexualität hat offenbar nur eine untergeordnete Rolle gespielt, berichtet „Spiegel online“ unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft. Es sei eher um sadistische Machtspiele gegangen, um rohe Gewalt. Meist sei es die Exfrau des Mannes gewesen, die den Frauen Schmerzen zufügte, auf seinen Befehl hin. Nach Einschätzung des Psychotherapeuten Christian Lüdke wollen Täter in Fällen wie diesen ihre eigene Ohnmacht „durch Gewaltausübung in das Gefühl von Allmacht“ verwandeln. Für die Täter seien die Opfer nur ein Instrument zum Machtrausch und -missbrauch. (mit dpa)

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