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Tote und Verletzte : Militär beendet Protest in Bahrain

Der Herrscher von Bahrain setzt im Konflikt mit den Regimegegnern auf militärische Gewalt. Unterstützung erhält König Hamad bin Issa al-Chalifa dabei von anderen arabischen Golfstaaten.

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Sicherheitskräfte in Bahrain gehen gewaltsam gegen regierungskritische Demonstranten auf dem Perlenplatz in der Hauptstadt Manama vor.
Sicherheitskräfte in Bahrain gehen gewaltsam gegen regierungskritische Demonstranten auf dem Perlenplatz in der Hauptstadt Manama...Foto: Reuters

In Bahrain droht die Situation vollkommen außer Kontrolle zu geraten. Zwei Tage nach dem Einmarsch der Truppen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gingen Polizeikräfte am Mittwoch mit Schusswaffen und Tränengas gegen die Demonstranten auf dem Perlenplatz und im Finanzzentrum vor. Bis zum späten Nachmittag starben mindestens fünf Menschen, mehrere Dutzend wurden verletzt. Hubschrauber kreisten über der Stadt, Panzer fuhren in den Straßen auf. Trotzdem zogen wieder tausende Demonstranten in die Innenstadt von Manama. Nach ihren Angaben blockieren die Sicherheitskräfte die Zugänge zu den Krankenhäusern, so dass viele Verwundete nicht versorgt werden konnten.

Am Vorabend hatten bewaffnete Regierungsschläger nach Angaben von Augenzeugen in der von Schiiten bewohnten Ortschaft Sitra südlich von Manama gewütet und dabei mehr als 200 Menschen durch Schüsse verwundet. Bahrains König Hamad bin Isa al Khalifa verhängte am Dienstag den Ausnahmezustand in einem verzweifelten Versuch, die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen. Als Reaktion rief der Rat der schiitischen Gelehrten Bahrains die „Islamische Weltliga sowie den UN-Sicherheitsrat auf, in dieser Katastrophe zu intervenieren“. Im saudischen Qatif gingen einige hundert Menschen aus Protest auf die Straße. Im Irak forderte der radikale schiitische Kleriker Moqtada al Sadr die Bevölkerung auf, am Freitag aus Solidarität „mit dem Volk von Bahrain“ zu demonstrieren.

Nach dem Urteil von Jean-François Seznec, Professor für Arabische Studien an der Georgetown Universität in Washington D.C., ist der Einmarsch der saudischen Truppen ein „gravierender Fehler“, der die Spannungen zwischen den Demonstranten und der Königsfamilie weiter verschärfen werde. „Die Khalifas haben ihr Land extrem schlecht gemanagt. Sie haben viele Jahre lang Reformen versprochen, aber nie etwas getan“, sagte er auf Al Dschasira. „Die Saudis wiederum wollen den Vereinigten Staaten klarmachen, dass dies ihre Region ist und sie keine Belehrung von außen wünschen.“ So ließ König Abdullah einen geplanten Besuch von US-Außenministerin Hillary Clintons in Riad kurzerhand absagen.

Angesicht der Eskalation gewinnen unter den Demonstranten inzwischen radikalere Kräfte die Oberhand, die die Monarchie abschaffen und König Hamad stürzen wollen. Acht weitere Mitglieder der Königsfamilie sitzen im Kabinett, unter anderem verantwortlich für die Ressorts Außenpolitik, Verteidigung und Finanzen. Der eigentliche Scharfmacher des Regimes aber ist der Onkel des Monarchen, Scheich Khalifa bin Salman al Khalifa. Der 75-Jährige ist seit der Unabhängigkeit 1971 Premierminister und gilt als hoch korrupt.

Bahrains Schiiten machen 70 Prozent der rund 700 000 Einwohner des Inselstaates aus. Sie fühlen sich diskriminiert, an den politischen Entscheidungen nicht beteiligt und im Wirtschaftsleben an den Rand gedrängt. Saudi-Arabien fürchtet, die Unruhen könnten auf ihren schiitischen Bevölkerungsanteil übergreifen, der in direkter Nachbarschaft zu Bahrain im ölreichen Osten des Königreichs lebt. Gleichzeitig verdächtigt Saudi-Arabien den Iran, die Proteste der Schiiten zu schüren. Präsident Mahmud Ahmadinedschad verurteilte den Einmarsch der saudischen Einheiten, woraufhin Bahrain seinen Botschafter aus Teheran abzog. Der Iran hatte vor der Unabhängigkeit Bahrains immer wieder Anspruch auf das Inselterritorium erhoben. US-Außenministerin Hillary Clinton telefonierte von Kairo aus mit dem saudischen Außenminister Prinz Saud al Faisal und äußerte ihre Sorge vor einer möglichen Eskalation. Nach Angaben aus ihrer Umgebung forderte sie alle Seiten auf, „einen Weg für eine friedliche Lösung zu suchen“.

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