Totenschändung : Bundeswehr suspendiert zwei Soldaten

Die Bundeswehr hat erste personelle Konsequenzen aus den Totenschändungen in Afghanistan gezogen und zwei aktive Soldaten vom Dienst suspendiert.

Berlin - Zwei noch aktiven Soldaten sei "mit sofortiger Wirkung die Ausübung des Dienstes untersagt" worden, teilte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) in Berlin mit. Zudem werde geprüft, ob es weitere Mitwisser gegeben habe und inwieweit Dienstvorgesetzte ihre Verantwortung wahrgenommen hätten.

Mindestens einer der vom Dienst suspendierten Soldaten soll aus dem bayerischen Gebirgsjägerstandort Mittenwald kommen. Beiden droht nun die unehrenhafte Entlassung. Gegen weitere vier Tatverdächtige des Vorfalles aus dem Jahre 2003, die nicht mehr der Bundeswehr angehören, wird den Angaben zufolge von ziviler Seite aus weiter ermittelt.

Auch hinsichtlich der neuen Vorwürfe, die sich auf eine mutmaßliche Totenschändung in Afghanistan im Jahr 2004 beziehen, sind offenbar erste Ermittlungserfolge erzielt worden. Laut Jung wurden drei Tatverdächtige ermittelt. Zunächst blieb unklar, ob es sich um noch aktive Soldaten handelt. Der Verteidigungsminister kündigte auch hier "harte Konsequenzen" an und betonte: "Wer sich so verhält, der hat in der Bundeswehr keinen Platz.".

Erste inhaltliche Konsequenzen sind eine Überprüfung der Inhalte der Auslandseinsatzvorbereitung und der Dienstaufsicht im Ausland. Einen entsprechenden Auftrag erteilte Jung dem Generalinspekteur der Bundeswehr. Zudem soll der Beauftragte für Erziehung und Ausbildung nach Afghanistan reisen, um einen Bericht über Motivation, Disziplin und Ausbildungsstand zu erstellen.

Angesichts der sofort getroffenen Maßnahmen sprach Jung die Hoffnung aus, dass sich die Totenschändung nicht auf den aktuellen Isaf-Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan auswirke. (tso/ddp/AFP)

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