Totenschändungen : BKA befürchtet Anschläge

Nach den Totenschändungen durch deutsche Soldaten in Afghanistan befürchtet des Bundeskriminalamt terroristische Vergeltungsschläge. Inzwischen stehen 20 Soldaten unter Verdacht, an den Vorfällen beteiligt gewesen zu sein.

München/Berlin - "Da muss man damit rechnen, dass es Gegenreaktionen geben kann", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in München auf einer Konferenz zu Sicherheitsfragen. Hinweise auf konkrete Anschlagspläne habe er aber nicht. Insgesamt stehen nach Angaben des Verteidigungsministeriums inzwischen 20 Soldaten oder ehemalige Bundeswehrmitglieder unter Verdacht, an den drei bislang bekannten Vorfällen beteiligt gewesen zu sein.

Ziercke nannte das auf Fotos dokumentierte Posieren mit Totenschädeln in Afghanistan "völlig inakzeptabel". Es handle sich jedoch offenbar um Einzelfälle. Die Soldaten hätten die Totenschändungen womöglich nur deshalb verübt, "um ihre eigene Angst abzureagieren", sagte der BKA-Chef. Die aktuelle Sicherheitslage in Afghanistan bezeichnete er als "verschärft". Durch die Vorfälle seien die Gefühle vieler Menschen verletzt worden.

Verdächtiger Gebirgsjäger konnte noch nicht vernommen werden

Die Staatsanwaltschaft München II ist mit ihren Ermittlungen zu den Totenschändungen durch Gebirgsjäger im Jahr 2003 noch nicht entscheidend vorangekommen. Der bislang einzige offiziell Verdächtige, ein 25-Jähriger aus Oberbayern, habe noch nicht vernommen werden können, sagte der stellvertretende Behördenleiter Eduard Mayer. Der Ex-Soldat befinde sich derzeit im Ausland. Es könne aber keine Rede davon sein, dass er sich abgesetzt habe. Der frühere Bundeswehrangehörige steht unter dem Verdacht der Störung der Totenruhe.

Insgesamt sollen nach Angaben des Verteidigungsministeriums mindestens sieben Gebirgsjäger in den Vorfall aus dem Jahr 2003 verwickelt sein, der in der vergangenen Woche publik wurde. Beim zweiten Vorfall aus dem Jahr 2004 wird laut Ministeriumssprecher Thomas Raabe gegen vier Verdächtige und im dritten Vorfall gegen neun Soldaten ermittelt. Gerüchte, wonach es ähnliche Vorfälle auch im Kosovo gegeben haben soll, hätten sich bisher nicht bestätigt.

Möglicherweise auch Soldaten der Saarlandbrigade beteiligt

Nach Informationen des Saarländischen Rundfunks (SR) sind in den Skandal möglicherweise auch Soldaten der Saarlandbrigade verwickelt. Danach handelt es sich um drei Zeitsoldaten aus einer zu der Brigade gehörenden Kaserne im pfälzischen Zweibrücken. Die drei Soldaten seien derzeit noch im Dienst, von ihren Aufgaben aber bereits entbunden worden, berichtete der Sender unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen. (Von Ulrich Meyer, ddp)

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