Politik : Tränengas gegen Diplomaten

André Anwar

Stockholm - Finnische Zöllner haben vor zwei Wochen zwei nordkoreanische Diplomaten mit Tränengas aus einem Zugabteil gejagt und in Handschellen abgeführt. Die nordkoreanische Regierung richtete nun eine scharfe Protestnote an das Außenministerium in Helsinki, in der sie Finnland „Verbrechen gegen die Menschenrechte“ vorwarf.

Die beiden Diplomaten waren auf dem Weg nach Stockholm. Statt direkt dorthin zu fliegen, entschieden sie sich für eine Zugreise von Moskau über Helsinki nach Stockholm. An der finnischen Grenze weigerten sich die Nordkoreaner, den Fahrkartenkontrolleur und eine finnische Zöllnerin in ihr Abteil zu lassen. Die angeforderte Verstärkung durch die Polizei setzte schließlich Tränengas ein. Eine andere Möglichkeit hätten sie wegen des erbitterten Widerstands nicht gehabt, hieß es. Erst auf der Polizeiwache zeigte sich, dass die beiden Diplomaten waren. Die Nordkoreaner konnten kein Englisch. Doch alle Papiere waren in Ordnung. Die Polizisten mussten sich entschuldigen und die Diplomaten zum nächsten Zug nach Stockholm eskortieren.

In Finnland fragt man sich nun, warum die Diplomaten diese seltsame Reiseroute nutzten. Der finnischen Zeitung „Helsinki Sanomat“ teilte die Stockholmer Botschaft mit, dass die Diplomaten gerne an einer Fährenreise zwischen Helsinki und Stockholm teilnehmen wollten. Diese sei ihnen wegen des ausgezeichneten Buffets und dem abendlichen Unterhaltungsprogramm wärmstens empfohlen worden.

Der Zwischenfall ist nicht der erste Konflikt Finnlands mit diplomatischem Personal aus Nordkorea. In den 70er Jahren wurden nordkoreanische Diplomaten in Helsinki wegen illegalem Alkohol- und Zigarettenhandel heimgeschickt. In den 80er Jahren wurde ein nordkoreanischer Botschafter wegen eines Bestechungsversuchs heimgeschickt.

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