Politik : …Tragisches geschieht

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Erinnert sich noch jemand an Big Brother? Das war diese Sendung, in der sie Menschen einsperrten, welche infolge ihrer soziokulturellen Prägung traurig waren, wenn man sie wieder freiließ. Es gibt diese Sendung übrigens immer noch, inzwischen regt sich aber kein Menschenschützer mehr darüber auf, und deshalb gucken auch längst nicht mehr so viele Leute den Leuten beim Eingesperrtsein zu.

Die Firma, die die Leute einsperrt und die Kameras draufhält, heißt Endemol. Sie ist auch für viele andere Sendungen mit gesellschaftskritischem Anspruch verantwortlich, etwa „Die Drews – eine furchtbar nette Familie“, „Judas Game“, „Nur die Liebe zählt “.

Außerdem produziert Endemol den „Domino Day“, eine Sendung, welcher jedoch im Unterschied zu den oben genannten das menschlich bewegende Moment fehlt. Es werden halt ein paar Millionen Steinchen umgeschmissen. Bei der Vorbereitung zur Sendung ist es nun aber, ganz ohne Zutun der Konzeptionisten, zu einem dramatischen Moment gekommen, welcher Menschenherzen wirklich bewegen kann.

Ein Spatz, ein kleiner, putziger, frecher, possierlicher, gefiederter Gesell ist erschossen worden. Er musste erschossen werden, so Endemol, man habe keine andere Wahl gehabt.

Das Tier war unaufgefordert in die Halle eingedrungen und hatte systematisch begonnen, die Vorbereitungen zum Dominoumschmeißweltrekord zu torpedieren. Insgesamt 23000 Steine brachte der Spatz vorfristig zu Fall, über seine Motive kann man nur spekulieren: Fand er Steineumschmeißen einfach toll? Hatte er grundsätzliche Einwände gegen systematisches Steineumschmeißen? Endemol rief eine Schädlingsbekämpfungsfirma zu Hilfe. Die Bekämpfer versuchten anfangs, den Schädling zu fangen, was ihnen nicht gelang, und entschieden sich schließlich, gegen das Tier auf die ihnen vertraute Methode vorzugehen, eben es zu töten.

Ein Vogel musste sterben, damit ein paar Steinchen termingerecht fallen können; ein Fall für den Tierschutz, keine Frage. Da Endemol in den Niederlanden produziert, ein Fall für „Dierenbescherming“. „Dierenbescherming“ verständigte die Polizei und verbreitete das Statement: „Ein Helfer, der versehentlich Dominosteine umstößt, wird doch auch nicht gleich erschossen.“ Das ist zweifelsohne richtig, selbst bei Endemol wäre so ein Vorgehen kaum vorstellbar. Dass das tragische Spatzenschicksal jedoch die ansonsten tragikfreie Dominoshow in die Schlagzeilen bringt, dürfte Endemol billigend in Kauf nehmen. Der Spatzenschütze soll übrigens selbst Morddrohungen erhalten haben. So kommt auch noch ein wenig Menschentragik in die Geschichte. dae

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