Politik : Trainingsfreuden und Reisestress

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Von Robert Ide

Das Quartier ist gut, das Essen schmeckt, und die Sonne scheint auch. Man könnte meinen, die deutschen Fußballer hätten in Japan einen netten Urlaub vor sich. Doch die in einer Woche beginnende Weltmeisterschaft wird ihnen mehr Einsatz abverlangen als die ersten lustigen Spielchen auf dem Trainingsplatz in Miyazaki. Einen Hinweis auf Entschlossenheit gaben die Spieler mit ihren Frisuren. Die meisten traten mit Kurzhaarschnitten an, Lars Ricken kam sich schon vor „wie beim Bund“. Wie eine Kaserne wirkt das Quartier der deutschen Kicker allerdings nicht: zwei Trainingsplätze, 70 Zimmer, Dachterrasse mit Meerblick.

Ihre Gruppengegner haben es da schwerer. So wurde die Anreise des Afrika-Meisters Kamerun zum Fiasko. Zuerst legte das Flugzeug der „Air Cameroon“ einen mehrstündigen Tank-Stopp in Äthiopien ein, danach stand der Jet neun Stunden im indischen Bombay herum, weil Kambodscha, die Philippinen und Vietnam die Nutzung ihres Luftraumes nicht erlaubten. Erst nach 50 Stunden sollte die Mannschaft des von Flugangst geplagten Trainers Winfried Schäfer in Fukuoka ankommen.

Beim Kontrahenten Irland gibt es heftige Turbulenzen auf dem Boden. Die Teamleitung der Iren schickte mit Roy Keane ihren besten Akteur nach Hause. Dieser hatte in der Presse über die Trainingsbedingungen auf der Pazifik-Insel Saipan geklagt: „Das ist schlimmer als auf einem Parkplatz.“

Angesichts der Nachrichten von anderen Teams – Spaniens Stürmer Raúl stritt sich mit einem Trainer, im schwedischen Team kam es sogar zu einer Schlägerei – könnten die deutschen Kicker vielleicht doch eine Chance auf den Titel haben. Falls das Wetter mitspielt. Der deutsche Generalkonsul Johannes Preisinger warnte die Spieler bereits vor dem Monsunregen: „Die Feuchtigkeit kann einem auf die Nerven gehen. Das ist fast so schlimm wie Bonn im November.“

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