Transaktionssteuer : Robin Hood am Brandenburger Tor

Mit der Kampagne "Steuer gegen Armut" will ein Aktions-Bündnis von Attac, Jusos, Grüner Jugend Berlin und Oxfam ein starkes Zeichen für die Transaktionssteuer setzen.

Julia Rothenburg
Was man mit Geld alles tun könnte. Zum Beispiel die Armut und den Klimawandels bekämpfen.
Was man mit Geld alles tun könnte. Zum Beispiel die Armut und den Klimawandels bekämpfen.Foto: ddp

"Halt, ihr seid schwer beladen, was habt ihr denn dort in den großen Säcken?", ruft ein Mann und erklimmt dabei die große braune Kutsche, die am Donnerstag am Brandenburger Tor vorgefahren ist. Sie ist tatsächlich schwer beladen: Bis oben hin stapeln sich mit Euro-Zeichen bedruckte Leinen-Säcke. Inmitten dieser sitzen drei Anzugträger, die belustigt gucken- ein höchst sonderbares Schauspiel. Der Mann selbst sieht jedoch auch nicht weniger seltsam aus, in grün ist er gekleidet mit einem braunen Hut. Überhaupt wimmelt es hier von grün und braun Gekleideten, einige tragen sogar einen Bogen.

Was aus der Ferne so aussieht wie ein Straßentheater, wie es manchmal vor dem Brandenburger Tor zu sehen ist, ist eher ein politisches Schauspiel. Denn statt Geld für die Darbietung einzusammeln, wird ausgeteilt: Im Laufe der Versammlung werden die Geldsäcke von der Kutsche geladen und in einen Plastikkanister geworfen. Dabei wird ausgerufen, in was das Geld nun investiert werden soll, wie etwa in die Bekämpfung der Armut und des Klimawandels.

Es geht um Geld, das durch die Transaktionssteuer eingetrieben werden könnte

Mit diesem Schauspiel auf dem Pariser Platz will das im Rahmen der Kampagne "Steuer gegen Armut" gegründete Aktions-Bündnis von Attac, Jusos, Grüner Jugend Berlin und Oxfam aber keineswegs zum Bankraub aufrufen. Es geht hier um das Geld, das durch die Erhebung einer Transaktionssteuer, auch Robin Hood-Steuer genannt, eingetrieben werden könnte. Jener Steuer, um die zeitgleich auf der Internationalen Finanzkonferenz gerungen wird.

"Wir waren noch nie so nah an der Einführung dran", sagt Detlev von Larcher, der für Attac als Robin Hood auf der Kutsche steht. Jetzt sei es wichtig, nicht aufzugeben. "Ich glaube den Braten ohnehin erst, wenn er zum Essen auf dem Tisch steht". Die Bundesregierung, so von Larcher, äußere sich bisher zu vage und lasse sich zu viele Hintertürchen offen. So ist für ihn die Finanzaktivitätssteuer, die ebenfalls im Gespräch ist, nicht das richtige Instrument zur Bekämpfung der Krise. "Sie würde zwar auch zu einer leichten Umverteilung führen, aber in die Finanzmärkte wirklich eingreifen, in das, worum es wirklich geht, würde sie nicht."

Noch einmal ein starkes Zeichen für die Transaktionssteuer setzen, das ist das Ziel des Schauspiels und tatsächlich sind die rund 50 Robin Hoods und Maid Marians auch von weitem nicht zu übersehen. Der echte Robin Hood, Vorbild des Aktions-Bündnisses, wäre sicher begeistert. Zwar wäre der Verfechter der Armen von einst in erster Linie an einer einfachen Umverteilung interessiert gewesen, aber die Transaktionssteuer hätte ihn am Ende sicher doch überzeugt. Robin Hood hatte schließlich auch immer das Große und Ganze im Blick.

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