Transatlantisches Bündnis : US-Abgeordneter wirft Schröder "politische Prostitution" vor

In den USA hat ein demokratischer Kongressabgeordneter ordentlich gegen Ex-Kanzler Schröder vom Leder gezogen. Auch Irakkriegs-Gegner Chirac kam bei Tom Lantos' Rede in Washington schlecht weg.

WashingtonDer demokratische US-Kongressabgeordnete Tom Lantos hat dem früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) "politische Prostitution" vorgeworfen. In einer Rede anlässlich der Einweihung eines Denkmals für die Opfer des Kommunismus sagte Lantos in Washington, er erwarte nun bessere transatlantische Beziehungen, da sowohl Schröder als auch der französische Präsident Jacques Chirac aus dem Amt geschieden seien.

Lantos, der den Auswärtigen Ausschuss des Abgeordnetenhauses leitet, erinnerte daran, wie die USA Deutschland vor dem Faschismus gerettet und über Generationen hinweg vor dem Kommunismus geschützt hätten. Das alles, um dann zu erleben, wie Chirac und Schröder dem jüngsten Kampf gegen den "Islamfaschismus" den Rücken gekehrt hätten, beklagte der aus Ungarn stammende Abgeordnete.

Heil: Schröder hatte Recht mit "Nein" zum Irak-Feldzug

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte dazu in Berlin: "Wenn die Äußerungen des US-Politikers Tom Lantos stimmen, sind sie lediglich ein Zeichen politischer Dummheit und Geschmacklosigkeit. Dass Gerhard Schröder mit seinem "Nein" zum Irak- Krieg Recht hatte, sehen nicht nur die Menschen in Europa, sondern auch in den USA."

Lantos sagte weiter, er würde Schröder gern einen "politischen Prostituierten" nennen, "jetzt, da er von Putin dicke Schecks kassiert. Aber die Prostituierten in meinem Wahlbezirk fühlen sich beleidigt." Mit der Anspielung auf die Schecks bezog sich Lantos auf Schröders Tätigkeit als Aufsichtsrats-Chef der North European Gas Pipeline. Der russische Staatskonzern Gazprom hält 51 Prozent der Anteile an der Gaspipeline-Betreibergesellschaft.

Neben Heil verteidigte auch die Bundesregierung Schröder. Die Äußerung von Lantos sei eine "Entgleisung", die "mit aller Deutlichkeit und Entschiedenheit" zurückgewiesen werde, erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. "Das ist eine ungehörige Art der Auseinandersetzung mit einem ehemaligen Bundeskanzler", sagte Wilhelm weiter. (mit dpa)

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