Transferwahnsinn im Fußball : Schulz, der Linksverteidiger

Martin Schulz (SPD) will nun die Ablösesummen für Spieler und Gehälter deckeln. Das könnte auch eine große Chance für Liechtenstein werden. Eine Glosse.

von
Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat nun auch dem Transferwahnsinn im Fußball den Kampf angesagt. Foto: rtr
Der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat nun auch dem Transferwahnsinn im Fußball den Kampf angesagt.Foto: rtr

Martin Schulz hat in seiner Jugend leidenschaftlich gekickt. „Ich war total fußballverrückt. Meine Bibel war der ,Kicker‘, mein Gott war Wolfgang Overath“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat und Köln-Fan einmal in einem Interview.

Schulz war Linksverteidiger. Ein Titel, der ihm sicher heute noch gefallen würde. Dass sein Wahlkampfteam keine passenden Plakate hat drucken lassen, ist eine der großen verpassten Chancen des laufenden Wahlkampfs. Am Ende muss man es eben selbst richten, das weiß jeder Abwehrspieler. Und deshalb hat Schulz nun den Fußball als Thema für sich entdeckt, den er von links verteidigen will. Der Kanzlerkandidat will nämlich die Ablösesummen für Spieler und deren Gehälter deckeln. In der „Passauer Neuen Presse“ sprach er von einer „Obergrenze“. Den Kampfbegriff kennt man sonst aus anderem Zusammenhang. Als abschreckendes Beispiel nannte Schulz den mindestens 105 Millionen Euro teuren Transfer Ousmane Dembélés von Borussia Dortmund zum FC Barcelona. Solche Summen würden den Spaß am Fußball verderben. Das sei sogar in den Stadien zu spüren. Schulz geht häufig ins Stadion.

Dabei war Dembélé relativ gesehen ein Schnäppchen, Neymar zog für mehr als das Doppelte von eben Barcelona nach Paris. Fast eine Viertelmilliarde – so viel bezahlt die Bundeswehr gerade für das Nachrüsten mit Waffen, die weniger verkorkst sind als das G36. Immerhin geht es dabei auch ums Verteidigen.

Warum Schulz aus Liechtenstein eine große Fußballnation machen könnte

Nur, was Paris und Barcelona miteinander verhandeln, liegt außerhalb von Schulz’ Kompetenzbereich. Selbst dann, wenn er Kanzler würde. Warum Schulz jetzt damit um die Ecke kommt, während offenbar 90 Millionen etwa für einen Ronaldo-Transfer noch kein Problem waren, lässt sich nur mit dem Wahlkampf erklären.

Immerhin, selbst der europäische Fußballverband Uefa hat mitbekommen, dass etwas aus dem Gleichgewicht gerät, nicht erst als Martin Schulz ein Interview gegeben hat. Sie führten das „Financial Fairplay“ ein. Ein Abkommen, das genau solche Auswüchse verhindern soll. Klappt nur nicht, kritisiert Schulz.

Und er, der eben vom Naturell kein Angreifer ist, klingt gleichsam resigniert: „Ich wäre schon froh, wenn Fußballer in dem Land, in dem sie spielen, besteuert werden und auch ihre Steuern zahlen würden.“

Sollte Schulz also kein Kanzler werden und nie wieder ein Amt bekleiden: Vielleicht wird er eines Tages der Mann sein, der aus Liechtenstein eine große Fußballnation gemacht hat.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

Autor

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben