Politik : Transparency: Krise verleitet zu verstärkter Korruption

Berlin - Die Wirtschaftskrise verleitet viele deutsche Firmen nach Einschätzung der Organisation Transparency International zu mehr Korruption. „Gerade im Mittelstand wächst in der Krise die Gefahr, sich um jeden Preis und mit unlauteren Mitteln Aufträge zu sichern“, sagte die Chefin der deutschen Korruptionsjäger von Transparency International (TI), Sylvia Schenk, am Dienstag. Sie forderte die Bundesregierung zu einer umfassenden Strategie im Kampf gegen Korruption auf. Im Koalitionsvertrag von Union und FDP fehle ein Antikorruptionsregister, mit dem auffällige Firmen von staatlichen Aufträgen ausgeschlossen werden könnten. Auch müsse es ein neues Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung geben. Als führende Exportnation trage Deutschland besondere Verantwortung.

Auf der neuen weltweiten TI-Korruptions-Rangliste bleibt Deutschland unter 180 Staaten auf Platz 14 und damit in Westeuropa im Mittelfeld. Musterländer auf den ersten Plätzen, wo am wenigsten Bestechung wahrgenommen wird, sind Neuseeland, Dänemark, Singapur und Schweden. Unter den 25 bewerteten EU-Staaten schneiden Bulgarien, Griechenland und Rumänien mit einer Einstufung von 3,8 besonders schlecht ab. Auch Italien wird als reichlich korrupt bewertet: Mit einer Note von 4,3 liegt das Land noch hinter dem EU-Beitrittskandidaten Türkei (4,4). Als korrupteste Länder weltweit gelten Afghanistan, Birma, Sudan und der Irak. Schlusslicht in der Rangliste ist Somalia.

In diesen Krisenregionen gibt es nach Ansicht der internationalen TI-Chefin Huguette Labelle wenig Hoffnung: „In den Ländern, deren staatliche Strukturen durch dauerhafte Konflikte zerrüttet worden sind, gerät Korruption außer Kontrolle und stärkt die Plünderung von öffentlichen Ressourcen sowie Unsicherheit und Rechtlosigkeit.“ Die Industriestaaten hätten aber eine Mitverantwortung, weil westliche Konzerne in Entwicklungsländern korrupte Regierungen und Beamte unterstützten. Transparency beruft sich bei seinem weltweiten Index auf Umfragen unter Geschäftsleuten und unabhängigen Experten, die über die von ihnen erlebte Korruption in Firmen und Verwaltungen berichten. dpa/AFP

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben