Trauer und Trauerspiel : Koalitionszwist um Gedenken an Soldaten

Missgunst, um nicht zu sagen Niedertracht: Wenn es um die Särge der in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten geht, kennen die gegenseitigen Unterstellungen in der schwarz-gelben Koalition offenbar wenig Grenzen.

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Berlin - Wer trauert an welchem Sarg, wer steht wann vor einer Kamera – CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder FDP-Außenminister Guido Westerwelle? Das sind die Fragen, um die es gegangen ist, als drei deutsche Soldaten am Karfreitag starben. Und auch nun wieder, da am Samstag erneut vier Todesopfer zu betrauern sind. Um es vorwegzunehmen: Es geht um Gerüchte, die im Regierungsviertel gestreut werden. Aus der FDP und auch aus der Union. Belege für ihre Richtigkeit gibt es nicht. Und alle wollen anonym bleiben.

Zunächst der Außenminister, dessen Reisepläne sich am späten Mittwochnachmittag geändert haben. Natürlich werde man am Samstag die Regie des FDP-Bundesparteitages in Köln auf die zeitgleich in Ingolstadt stattfindende Trauerfeier für die Soldaten abstimmen, lautete die Botschaft der FDP-Zentrale bis dahin. Dass Westerwelle nicht nach Köln sondern zur Trauerfeier reisen wird, wurde da noch bestritten. Erst später soll er sich umentschieden haben – „ohne fremde Einwirkung selbstverständlich“, wie es die FDP beteuert. Gegen 19 Uhr meldete Westerwelle: Er reist nach Ingolstadt und verschiebt seine Parteitagsrede auf Sonntag. Dass Westerwelle dazu nicht gedrängt werden musste, darüber gibt es keinen Zweifel. Allerdings verbreitete sich das Gerücht (aus der Union), der FDP-Chef sei „stinksauer“ darüber gewesen, dass die Trauerfeier ausgerechnet am Samstagmittag und damit parallel zu seiner wichtigen Parteitagsrede stattfinden soll. Dem unionsdominierten Kanzleramt soll er sogar unterstellt haben, den Trauertermin vorsätzlich so gelegt zu haben, dass die FDP-Parteiveranstaltung gestört wird.

War das etwa eine Retourkutsche? Dafür, dass FDP-Leute erzählen, am Karfreitag habe sich Verteidigungsminister Guttenberg nur nach Androhung dienstrechtlicher Maßnahmen durch das Kanzleramt dazu überreden lassen, wegen der gefallenen Soldaten seinen Südafrikaurlaub vorzeitig abzubrechen und nach Berlin zu reisen. „ARD und ZDF gibt es auch in Kapstadt“, soll der Minister gesagt haben, werden die Zuträger der – wenn sie denn stimmte für einen Bundesverteidigungsminister ungeheuerlichen – Geschichte zitiert. Unschwer zu erraten, was das Verteidigungsministerium dazu sagt: „Sauerei, so etwas Falsches zu behaupten.“

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