Trauerfeier : Polen gedenkt der Absturzopfer

In Polen haben die Trauerfeierlichkeiten zum Tod von Präsident Kaczynski und der weiteren Opfer des Flugzeugabsturzes begonnen - mit Hunderttausenden Menschen.

Die Menschen strömten seit dem frühen Morgen ruhig und nachdenklich durch die Straßen Warschaus. Viele der Trauernden tragen Blumen und die rot-weiße Nationalflagge, halten Plakate mit einem Foto von Präsident Lech Kaczynski in die Höhe.

Das gesamte Wochenende steht im Zeichen der Trauer. Die Feierlichkeiten auf dem Pilsudski-Platz begannen mit einem Gottesdienst. Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw und Marta, die Tochter des verunglückten Präsidentenpaares standen gefasst vor der Bühne, auf der ein Altar aufgebaut war.

Kaczynski und seine Frau werden am Sonntag in einer Gruft der Wawel-Kathedrale in Krakau beigesetzt. Zu dem Staatsakt haben sich etwa 80 Staatsoberhäupter und Regierungschefs aus aller Welt angekündigt, darunter auch US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Allerdings könnte das Flugverbot über weiten Teilen Europas wegen der Vulkanasche-Wolke einen Strich durch die Planungen machen.

Zu Beginn des Gottesdienstes wurden die Namen aller 96 Opfer der Katastrophe verlesen. Polen hatten bei dem Absturz Spitzenpolitiker, hohe Offiziere und führende Geistliche verloren.

Bereits am Morgen, 8.56 Uhr, ertönten zwei Minuten lang die Glocken und Alarmsirenen in Polen - genau zu der Zeit, als vor einer Woche die Maschine bei Smolensk westlich von Moskau abgestürzt war.

Hinter dem Altar auf dem Pilsudski-Platz hängen Fotos der Toten - die Verunglückten waren Politiker, Geistliche, Militärs und Staatsbeamte. Die Trauernden reichen sich solidarisch die Hände. Der Gottesdienst findet bei strahlendem Sonnenschein unter freiem Himmel statt.

Am Nachmittag können die Polen dem Präsidentenpaar in der Johannes-Kathedrale in der Warschauer Altstadt die letzte Ehre erweisen. Beerdigt aber werden beide auf dem Burgberg Wawel in Krakau. Es ist eines der bedeutendsten nationalen Symbole Polens. Wie der Athener Hügel der Akropolis für Griechenland war der Wawel einst politisches und religiöses Zentrum des polnischen Reiches.

Der Ort ist als letzte Ruhestätte für Kaczynski umstritten. Kritiker finden, dass der Präsident nicht neben Königen und Nationalhelden beerdigt werden sollte.

Noch immer sind nicht alle Todesopfer identifiziert. Die Untersuchungen am Unglücksort sind hingegen nahezu abgeschlossen. Das Flugzeug war beim ersten Landeversuch auf dem Boden zerschellt und in Flammen aufgegangen. (dpa)

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