• Trauerkundgebungen: "Die Angst darf uns nicht lähmen" - Aus der Rede von Johannes Rau beim Gedenken in Berlin

Politik : Trauerkundgebungen: "Die Angst darf uns nicht lähmen" - Aus der Rede von Johannes Rau beim Gedenken in Berlin

Unter dem Motto "Keine Macht dem Terror - Solidari

Unter dem Motto "Keine Macht dem Terror - Solidarität mit den Vereinigten Staaten von Amerika" stand am Freitagabend die zentrale Trauerkundgebung am Brandenburger Tor. Auszüge aus dem Manuskript der Rede von Bundespräsident Johannes Rau:

Nirgendwo wissen die Menschen besser als hier in Berlin, was Amerika für Freiheit und Demokratie in Deutschland getan hat. Wir könnten heute Abend nicht hier am Brandenburger Tor stehen ohne den Beistand Amerikas in langen Jahren und in schwerer Zeit. Darum sagen wir heute hier von Berlin aus allen Amerikanern: Amerika steht nicht allein. Die ganze Welt steht in diesen Tagen an der Seite der großen amerikanischen Nation. (...)

Die Ziele der Mörder lagen in New York und in Washington. Getroffen aber sind alle Menschen, weltweit. Unter den Opfern sind Menschen aus Asien, aus Australien und aus Europa, aus Afrika und aus Amerika. Der Angriff zielte auf die ganze menschliche Gemeinschaft. (...)

In diesen Tagen haben viele Menschen Angst. Das verstehe ich. Diese Angst darf uns nicht lähmen. Die Wut, die viele verspüren, die Ohnmacht, die so schwer zu ertragen ist, darf uns nicht kopflos machen.

Die Mörder und ihre Anstifter sind schwer zu finden und noch schwerer zu bekämpfen. Aber ganz gleich wer sie sind: sie sind Mörder, nichts sonst - und deshalb müssen sie bestraft werden. Sie stehen nicht für ein Volk, sie stehen nicht für eine Religion, sie stehen nicht für eine Kultur. Fanatismus zerstört jede Kultur. Fundamentalismus ist nicht ein Zeugnis des Glaubens, sondern sein ärgster Feind. Wir werden und wir dürfen uns von niemandem dazu verleiten lassen, ganze Religionen oder ganze Völker oder ganze Kulturen als schuldig zu verdammen. Wer sich aber mit den Mördern gemein macht, wer ihnen Schutz und Hilfe gewährt, der ist den Mördern gleich. (...)

Wir müssen den Terrorismus bekämpfen und wir werden ihn besiegen. Dazu brauchen wir einen langen Atem. Wer den Terrorismus wirklich besiegen will, der muss durch politisches Handeln dafür sorgen, dass den Propheten der Gewalt der Boden entzogen wird. (...) Entschlossenes Handeln ist das Gebot der Stunde. Weil wir das wissen und zeigen, weil wir daran keinen Zweifel lassen, darum sagen wir auch: Der beste Schutz gegen Terror, Gewalt und Krieg ist eine gerechte internationale Ordnung.

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