Treffen im Weißen Haus : Bush, McCain und Obama beraten über Finanzkrise

Die Rivalen John McCain und Barack Obama sind einer Einladung George Bushs gefolgt und treffen sich zu einem gemeinsamen Krisengespräch im Weißen Haus. Den Wirbel um die US-Wirtschaft nennt McCain denn auch als Grund, um das geplante Fernsehduell mit Obama zu verschieben - nur ein Vorwand?

Obama und McCain
Gemeinsam stark? Obama und McCain beraten über die Finanzkrise. -Foto: AFP

WashingtonDie Finanzkrise hat den US-Präsidentschaftswahlkampf durcheinandergewirbelt und die Konkurrenten zu einem bislang einmaligen Zusammenrücken gezwungen. In einer Fernsehansprache warnte US-Präsident George W. Bush am Mittwoch vor einer "langen und schmerzhaften Rezession" und lud die Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und John McCain sowie die Kongressführer beider Parteien für Donnerstag zu einem Krisentreffen ins Weiße Haus. Obama und McCain erklärten gemeinsam, beide Seiten müssten nun zusammenarbeiten, um die USA aus der Wirtschaftskrise zu bringen.

Die gesamte Wirtschaft der USA sei in Gefahr, warnte Bush in seiner TV-Ansprache. Er warb dabei für den 700 Milliarden Dollar schweren Rettungsplan seiner Regierung für die Banken. Ohne sofortiges Handeln des Kongresses drohten die USA in eine Finanzpanik zu rutschen, betonte er. Tatenlosigkeit könne Banken vernichten, Rentenpläne bedrohen und Millionen Arbeitsplätze gefährden. Er habe sich für eine "dramatische Aktion" der Regierung zur Rettung der Banken entschieden, anstatt stillzuhalten und dem "verantwortungslosen Handeln einzelner" tatenlos zuzuschauen.

"Ich bin ein starker Anhänger des freien Unternehmertums", sagte Bush. Daher habe auch er zunächst Einwände gegen das staatliche Hilfsprogramm gehabt. "Aber derzeit herrschen keine normalen Bedingungen".

Arbeitsplätze, Ersparnisse und Wohlstand in Gefahr
  
Die Zeit sei gekommen, zum Wohle des Volkes zusammenzuarbeiten, betonten Obama und McCain in ihrer gemeinsamen Erklärung nur sechs Wochen vor der Wahl. Auch sie wiesen auf die dramatische Lage hin: Arbeitsplätze, Ersparnisse und Wohlstand der US-Bürger seien in Gefahr. Zwar habe der von der Regierung vorgelegte Rettungsplan für die US-Banken Mängel, doch dürften die Anstrengungen zum Schutz der US-Wirtschaft nicht scheitern.
  
Vertreter der Demokraten im US-Kongress äußerten sich optimistisch über einen baldigen Kompromiss in Bezug auf den geplanten Rettungsplan für die Wall Street. Eine Einigung rücke näher, sagte der Vorsitzende des Bankenausschusses im Senat, Christopher Dodd. Ein Sprecher des Finanzdienst-Ausschusses des Repräsentantenhauses sagte, die demokratischen Abgeordneten verlangten Änderungen, und bei einigen "Stolpersteinen" gebe es Fortschritte. Die Demokraten forderten eine Verpflichtung zu mehr Rechenschaft der Banken und mehr Verantwortung.
  
Der 700 Milliarden schwere Rettungsplan der US-Regierung für den angeschlagenen Finanzsektor war am Dienstag ins Stocken geraten, nachdem der Bankenausschuss des US-Senats ernste Bedenken angemeldet hatte.

Obama will am Fernsehduell festhalten

  
Unklarheit bestand über die Frage, ob das erste Fernsehduell der Rivalen wie geplant am Freitag stattfinden wird. Während McCain wegen der Finanzkrise seinen Wahlkampf unterbrach und eine Verschiebung der TV-Debatte forderte, hält Obama an dem Termin fest. Er betonte, gerade angesichts der Krise wollten die US-Wähler wissen, was von den Kandidaten zu erwarten sei.
  
Der demokratische Senator Dick Durbin mutmaßte, McCain reagiere mit seinem Wahlkampfabbruch weniger auf den Kursturz an den Börsen als auf seinen Absturz in den Umfragen. Obama profitiert Umfragen zufolge derzeit von der Finanzkrise. Eine am Mittwoch veröffentlichte Umfrage der "Washington Post" mit dem Sender ABC sieht Obama mit neun Prozentpunkten Vorsprung vor McCain. In einer Umfrage für Fox News lag Obama um sechs Prozentpunkte vor seinem Gegner von den Republikanern.
  
Am Mittwoch hatte die "New York Times" berichtet, dass sich die Firma des Wahlkampfmanagers von McCain bis vor kurzem vom angeschlagenen Immobilienfinanzierer Freddie Mac für Lobby-Dienste bezahlen ließ. (mpr/AFP/dpa)

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