Politik : Treffpunkt Buchladen

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Von Frank Jansen

Zufallsfund und Rasterfahndung – auf diese Kombination hat sich die Bundesanwaltschaft bei ihrem Schlag gegen die militante Islamistenszene in Hamburg gestützt. Dabei wurde die Polizei ausgerechnet in den eigenen Reihen fündig. Ein aus Marokko stammender, 41 Jahre alter Angestellter der Aktenverwaltung des Landeskriminalamts fiel durch Kontakte zu den Islamisten auf. Als ihn die Ermittler der LKA-Sonderkommission „Netzwerk“ überprüften, stießen sie auf Kreditkartenbetrug. Dieses Delikt zählt zum klassischen Repertoire islamistischer Terroristen. Die in Frankfurt vor dem Oberlandesgericht stehende „Meliani-Gruppe“ soll reichlich Kreditkarten gefälscht und damit eingekauft haben – unter anderem Chemikalien zur Produktion von Sprengstoff.

Ob es eine Verbindung zwischen der „Meliani-Gruppe“ und den Hamburger Islamisten gibt, ist unklar. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, äußerte sich gegenüber dem Tagesspiegel nur vorsichtig: Es sei nicht auszuschließen, dass die Hamburger Gruppe dem internationalen Mujahedin-Netzwerk zuzuordnen ist. Damit sind die weltweit verstreuten Zellen der Al Qaida, aber auch weitgehend auf eigene Faust agierende Islamisten gemeint. Die meisten „ Mujahedin“ wurden in Afghanistan für den Kleinkrieg trainiert.

Abgesehen von dem marokkanischen LKA-Angestellten blieben die anderen acht Islamisten im Netz der Rasterfahndung hängen, die nach dem Terrorangriff des 11. September eingeleitet worden war. Bei den aus Marokko, Afghanistan und Ägypten stammenden Männern, die sich meist im Hamburger Stadtteil St. Georg in einem Buchladen ns „At Tawhid“ trafen, handelt es sich um Abdelhak S. (32), Hatem S. (28), Abderrazek L. (39), Abdelghani M. (29), El Mostafa T. (42), Asadullah M. (48), Lahoucine S. (32) und Mohamed J. (51). Der letztgenannte ist deutscher Staatsbürger. Allen acht wirft die Bundesanwaltschaft die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor. Gegen Abdelgani M. ermittelt Generalbundesanwalt Kay Nehm auch wegen des Verdachts, er habe in Hamburg die Gruppe um die Terrorflieger Mohammed Atta, Marwan Al-Shehhi und Ziad Jarrah unterstützt. Abdelgani M. taucht auf einem Video von der Hochzeit des Atta-Komplizen Said Bahaji auf, der weltweit gesucht wird.

Laut Bundesanwaltschaft ist bislang nicht zu erkennen, dass die Gruppe aus dem Buchladen „At Tawhid“ an den Anschlägen in den USA beteiligt war. Die Islamisten sollten offenbar gewarnt werden – bevor ihr Zirkel die Gestalt einer zweiten Atta-Clique annimmt. Eine reale Gefahr: Im März hoben mehrere Mitglieder die Hand zum „Märtyrerschwur“.

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