Politik : Treibhauseffekt: Clintons letzter Auftrag: das Klima

Robert Birnbaum

Der Fehlschlag in Den Haag ist keine drei Wochen her, da läuft schon der Rettungsversuch: Die Europäer und die "Umbrella-Group" unter Führung der USA wollen den Klima-Gipfel nachträglich zum Erfolg führen. Eine beiderseitige Initiative: Frank Loy, der US-Chefunterhändler, rief beim niederländischen Konferenzleiter Jan Pronk an, Bundesumweltminister Jürgen Trittin redete mit Loy. Auch sonst wurde viel telefoniert. Ab Mittwoch sitzen Experten der EU und der Umbrella-Staaten zwei Tage in Toronto zusammen. Noch vor Weihnachten soll in Oslo ein Ministertreffen stattfinden.

Ziel der Operation ist ein Eckpunkte-Papier als Basis für eine Folgekonferenz im nächsten Frühjahr. Zwar können EU und Umbrella-Group - neben den USA und Kanada unter anderen Russland, Japan und Australien - nicht für alle Unterzeichner des Kyoto-Klimaprotokolls von 1997 sprechen. Aber die beiden Industriestaaten-Gruppen sind für drei Viertel aller Emissionen von Kohlendioxid (CO2) verantwortlich. Und Den Haag war am Streit zwischen den USA und Europa darüber gescheitert, wie viele "Schlupflöcher" den Amerikanern zugestanden werden, durch die sie echte CO2 Minderungsmaßnahmen umgehen können. Nun sollen doch Lösungen gefunden werden: Wie viel Eigenleistung muss ein Land zur CO2

Minderung erbringen, wie viel Nachlass wird ihm für "Senken" gewährt - etwa Wälder, die CO2 befristet binden -, welche Sanktionen gibt es?

Das Tempo ist weniger umweltpolitischer Einsicht geschuldet als dem Bestreben, noch mit der Clinton-Regierung abzuschließen. Ob nämlich mit einem Präsidenten George W. Bush eine Klima-Übereinkunft möglich wäre, gilt in etlichen Hauptstädten als zweifelhaft. Nach Einschätzung europäischer Vertreter ist Clinton bereit, eine Abmachung noch auf seine Kappe zu nehmen. Damit, so die Hoffnung, wäre seinem Nachfolger bei der Frühjahrskonferenz zumindest der Griff zum Veto versperrt.

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