Politik : Treibhauseffekt: Klimawende schon ab 250 Mark

Thomas de Padova

Mit einer eindringlichen Warnung vor Überflutungen und anderen Umweltrisiken ist am Montag in Ghana eine Fachkonferenz der Vereinten Nationen zu Ende gegangen. Zigmillionen Menschen vor allem in den Entwicklungsländern seien von Flutkatastrophen bedroht, die bei zunehmender Erwärmung der Erde zu erwarten seien, betonten die Experten.

Dabei gebe es heute schon viele technische Möglichkeiten, den Ausstoß der Treibhausgase nachhaltig zu verringern: durch eine bessere Wärmedämmung der Wohnhäuser etwa oder durch die Vermeidung unnötiger Emissionen in Industrie und Landwirtschaft. Rund 260 Milliarden Mark im Jahr veranschlagen die Forscher als Kosten für die Weltgemeinschaft, um die Vereinbarungen im Kyoto-Protokoll zu erfüllen. Das entspräche rund 250 Mark pro Kopf in den reichen Ländern, heißt es in der neuen UN-Klimastudie. Im Kyoto-Protokoll hatte sich die Staatengemeinschaft auf eine deutliche Reduzierung der Treibhausgase geeinigt. Sie sollen bis zum Jahr 2010 auf dem Stand von 1990 sein.

"Obwohl die Reduzierung technisch machbar und ökonomisch nicht horrend teuer ist, ist die Umsetzung mangels politischen Willens äußerst schwierig", sagte der Niederländer Bert Metz, einer der Autoren des Berichts. Viele Maßnahmen ließen sich dabei sogar langfristig mit wirtschaftlichem Gewinn realisieren. Fossile Brennstoffe wie Kohle werden der Studie zufolge in den kommenden 20 Jahren zwar vorrangig bei der Weltenergieerzeugung bleiben. Erdgas schneidet dabei jedoch besser ab als Heizöl. Es werde für das Erreichen der Klimaschutzziele eine wichtige Rolle spielen, ebenso Techniken wie die Kraft-Wärme-Koppelung, heißt es in dem etwa 1000 Seiten starken Dokument.

Die Wissenschaftler heben auch den unerwartet raschen Technologiefortschritt in vielen Sektoren hervor: bei der Herstellung von Windrädern, Hybridmotoren für Autos oder Biogasanlagen. Mit der Brennstoffzelle, die selbst nur Wasserstoff an die Umgebung abgibt, verbinden sich die Hoffnungen auf schadstoffarme Motoren oder einen Ersatz für Batterien in tragbaren Geräten. Wegen der niedrigen Strompreise und hohen Anfangsinvestitionen sind Brennstoffzellen bei industriellen Großanlagen aber noch längere Zeit benachteiligt.

Wichtig ist nach Einschätzung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin, "dass die Menschen in den Industrieländern dauerhaft ihre Verhaltens- und Verbrauchsmuster ändern". Und wenn die Staatengemeinschaft nicht rasch handele, würden die Folgen umso drastischer ausfallen. "Das Kyoto-Protokoll muss schnell völkerrechtlich verbindlich werden", sagte Trittin mit Blick auf die Fortsetzung der internationalen Verhandlungen im Juli in Bonn.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben