Trends : Babyboom in Deutschland - mehr Väter nehmen Auszeit

Windeln wechseln, Mittagessen kochen: Deutsche Väter sind zunehmend heiß auf den Alternativposten am heimischen Herd. Außerdem kriegen die Deutschen wieder mehr Kinder.

WiesbadenImmer mehr Väter beantragen Elterngeld und nehmen für ihre Kinder eine Auszeit. Gleichzeitig werden erstmals seit zehn Jahren wieder mehr Kinder geboren. Im vergangenen Jahr entfielen 10,5 Prozent aller bewilligten Anträge auf Männer, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Der Anteil der Väter stieg zudem im Laufe des Jahres immer weiter an: Während in den ersten drei Monaten des Jahres erst 6,9 Prozent der Anträge auf Väter entfielen, waren es im vierten Quartal bereits 12,4 Prozent. Insgesamt wurde im vergangenen Jahr in 571.000 Fällen Elterngeld für Mütter oder Väter bewilligt.

"Das Elterngeld bleibt ein Renner", sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin. "Wir rechnen damit, dass der Anteil der Väter noch weiter ansteigt." Beim früheren Erziehungsgeld lag der Väter-Anteil den Statistikern zufolge lediglich bei 3,3 Prozent. Der Anteil der Männer an den Elterngeld-Beziehern wuchs 2007 konstant von 6,9 Prozent im ersten Vierteljahr auf 12,4 Prozent im letzten Quartal. "Wenn diese Dynamik anhält, werden wir spätestens im Jahr 2009 die 20-Prozent-Grenze knacken", sagte von der Leyen.

10.000 mehr Babys als 2006

Das Elterngeld und der Ausbau der Kita-Plätze haben das Ziel, den negativen Geburten-Trend zu brechen. Die Zeitschrift "Wirtschaftswoche" berichtet über neue Schätzungen des Statistischen Bundesamtes, wonach im vergangenen Jahr 680.000 bis 690.000 Kinder zur Welt kamen. Das sind 10.000 bis 20.000 mehr als im Jahr 2006. Auch die Geburtenrate steigt erstmals seit Jahren wieder. Sie liegt nach Schätzungen deutlich über 1,4 Kinder pro Frau. Der Negativ-Trend bei der Geburtenrate hielt seit 1990 mit wenigen Ausnahmen an.

Beim Elterngeld beantragten laut Statistik 60 Prozent der männlichen Interessenten die Zahlung für nur zwei Monate. Lediglich 18 Prozent setzten zwölf Monate im Job aus. Mütter beanspruchten hingegen in 87 Prozent der Fälle das Elterngeld für zwölf Monate, weniger als ein Prozent blieb nur zwei Monate zu Hause.


Die neue Familienleistung beträgt 67 Prozent des letzten Nettolohnes, mindestens 300 und höchstens 1800 Euro monatlich. Das Elterngeld wird zunächst zwölf Monate gezahlt. Zwei weitere Monate gibt es, wenn der berufstätige Elternteil - meist der Vater - dafür die Kinderbetreuung übernimmt.

Berlins Väter beantragen das meiste Elterngeld

Eine Ursache für die konstant wachsende Zahl der Väter-Anträge sehen die Statistiker darin, dass die Väter in der Regel selten direkt nach der Geburt in Elternzeit gehen, sondern erst, wenn das Kind etwas älter ist. Sie gehen daher davon aus, dass die Zahl der Anträge von Vätern zunächst noch weiter steigen wird.

Im Vergleich der Bundesländer zeigt sich, dass die Männer in Bayern und in Berlin die neuen Möglichkeiten am häufigsten nutzen. Im vierten Quartal lag der Anteil der Väter-Anträge in Bayern mit 15,1 Prozent und in Berlin mit 15,0 Prozent am höchsten. Am geringsten war die Nachfrage im Saarland mit 7,1 Prozent. (ut/dpa)

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