Trends : "Klima-Kult" als Religions-Ersatz?

Sünde, Ablass, Hoffnung: Die Klimadebatte hat die typischen Funktionen klassischer Religionen - sagt Trendforscher Matthias Horx. Und warnt vor "Kontrollfaschismus".

Klimaklimagipfel auf Bali
Ein Greenpeace-Aktivist beim Klima-Gipfel auf Bali. -Foto: dpa

Frankfurt/Main"Der grüne Gedanke ist zu einer Art Glaubenstheorem geworden", sagte Horx. "Das Thema wird zu einer zentral ordnenden Ideologie und zu einem Ersatz religiöser Formen." Es habe auch die typischen Funktionen klassischer Religionen: "Eine langfristige Zukunftsvermutung im Kern, ein Sünden- und ein Ablassmodell."

"Die Klimareligion hat überall ein Sinnangebot und auch die Möglichkeit, zu einem sanften Kontrollfaschismus zu werden", mahnte der Gründer des Zukunftsinstituts in Kelkheim im Taunus. Die Mittelschicht in Deutschland sei bereits "mehrheitlich grün", sagte der 52-Jährige. Es gebe eine "neue historische Allianz zwischen dem konservativen Element in der Gesellschaft und dem grünen". Dies müsse sich aber nicht zwangsläufig in Koalitionen von CDU und Grünen niederschlagen. "Es kann auch sein, dass sich über (Bundesumweltminister) Sigmar Gabriel der Ökostil in der SPD noch einmal durchsetzt." Die Kriterien links, konservativ, rechts funktionierten nicht mehr.

Eine wachsende Religiosität in Deutschland, wie sie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vorhergesagt worden sei, sieht der Trendforscher nicht. Es gebe lediglich "ein spirituelles Bedürfnis, das sich am Profanen orientiert". "Die Leute gehen Halleluja singen, wenn der Papst kommt, und gehen dann noch viel weniger in die Kirche. Es ist Eventkultur." (feh/dpa)

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