Politik : Trichet freigesprochen – wird er jetzt neuer EZB-Chef?

Gericht weist Anklage wegen Bilanzfälschung gegen französischen Notenbankchef zurück / Paris will ihn auf dem Gipfel nominieren

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Paris/Berlin (Tsp). Mit dem Freispruch im Prozess wegen Bilanzfälschungen bei der früheren Staatsbank Crédit Lyonnais ist der Weg für JeanClaude Trichet frei, Nachfolger von Wim Duisenberg an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) zu werden. Frankreich will den Pariser Notenbankchef auf dem EU-Gipfel in Thessaloniki offiziell zum Kandidaten für die Führung der EZB nominieren. Das kündigte das Pariser Finanzministerium am Mittwoch gut eine Stunde nach dem Freispruch des 60-Jährigen an. Auch die Bundesregierung sicherte Trichet Unterstützung bei seiner Kandidatur zu. Ihm war vorgeworfen worden, Anfang der neunziger Jahre als Leiter des Schatzamtes im Finanzministerium und damit als Aufseher der Bank Crédit Lyonnais für die Verbreitung falscher Bilanzen mitverantwortlich gewesen zu sein.

Er habe immer volles Vertrauen in die französische Justiz gehabt, kommentierte Trichet das Urteil. Eine Stellungnahme zu seinen Chancen auf den EZB-Chefposten lehnte er ab. „Ich bin froh, das ist alles, was ich zu sagen habe.“ Die Entscheidung liege jetzt bei den Staats- und Regierungschefs, sagte der französische Notenbankchef.

Einen Tag vor dem EU-Gipfel in Thessaloniki sprach sich Kommissionspräsident Romano Prodi unterdessen für wesentliche Änderungen am Entwurf für eine europäische Verfassung aus. Prodi plädierte am Mittwoch in Brüssel dafür, dass auch weiterhin jeder Mitgliedstaat einen Kommissar stellen müsse. Zudem forderte Prodi, Mehrheitsentscheidungen zur Regel werden zu lassen.

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