Tripoli : Bei Anschlag im Libanon sterben 18 Menschen

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag in Tripoli bekannt. Zeitpunkt und Ziel jedoch könnten darauf hinweisen, dass die Tat im Zusammenhang mit der Syrienreise des Präsidenten und ehemaligen Armeechefs Michel Suleiman steht.

Gabriela M. Keller

BeirutEs ist kurz vor acht Uhr morgens, als in einer belebten Einkaufsstraße im Zentrum der nordlibanesischen Stadt Tripoli eine Bombe explodiert. Der Sprengsatz wurde in der der Nähe eines Busses gezündet. Mindestens 18 Menschen kamen ums Leben. Die meisten Opfer waren offenbar Soldaten. „Es gibt viele Interpretationen, politische Interpretationen“, sagte Informationsminister Tareq Mitri. „Wieder einmal wollen Kriminelle unser Land als Arena nutzen, um den Kampf fremder Mächte um Einfluss auszutragen.“

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Zeitpunkt und Ziel jedoch könnten darauf hinweisen, dass die Tat im Zusammenhang mit der Syrienreise des Präsidenten und ehemaligen Armeechefs Michel Suleiman steht: Die Bombe detonierte nur wenige Stunden, bevor Suleiman zu den Gesprächen mit seinem syrischen Amtskollegen Baschar al Assad aufbrach. Der Anschlag macht auf jeden Fall deutlich, wie angespannt die Sicherheitslage im Libanon weiterhin ist: Seitdem die schiitische Hisbollabewegung im Mai mit einem bewaffneten Aufstand landesweite Unruhen auslöste, ist es immer wieder zu schweren Gefechten zwischen antisyrischen Sunniten und prosyrischen Alawiten in Tripoli gekommen.

Derweil setzt die Mehrheit der libanesischen Bevölkerung große Hoffnungen in den zweitägigen Gipfel. Mit dem „historischen“ Treffen könne eine neue Ära im Verhältnis zwischen Syrien und dem Libanon beginnen, schreibt die Tageszeitung „Daily Star“, und den beiden Nachbarstaaten damit die Gelegenheit bieten „ein Bündnis auf der Basis ihrer vielen gemeinsamen Interessen“ zu schließen. Es ist das erste Mal seit dem Abzug der syrischen Truppen vor mehr als drei Jahren, dass ein libanesisches Staatsoberhaupt nach Damaskus reist. Ziel der Gespräche ist, die seither stark angespannten Beziehungen zu verbessern. Konkrete Ergebnisse werden vor allem in der Frage nach dem Aufbau diplomatischer Beziehungen erwartet: Präsident Baschar al Assad hat im Juli zugesagt, erstmals seit der Gründung beider Länder vor rund 60 Jahren Botschafter mit dem Libanon austauschen zu wollen. „Damit würde Syrien zumindest auf dem Papier bestätigen: ,Wir betrachten euch als souveränen Staat‘. Bislang hat Syrien den Libanon als syrische Provinz angesehen“, sagt der politische Analyst Timur Goksel. „Doch es wäre ein rein symbolischer Schritt und bedeutet nicht zwangsläufig, dass sich Syrien danach nicht mehr im Libanon einmischen wird.“

Während des Gipfels sollen auch alle anderen offenen Fragen zwischen den beiden Staaten zur Sprache kommen. Dazu zählen hunderte libanesische Gefangene in syrischen Gefängnissen sowie die Demarkierung der gemeinsamen Grenze. Es gibt weder Grenzpfeiler noch ein Sicherungssystem. Syrien nutzt die Durchlässigkeit der Grenze, um das fragile Kräfteverhältnis in Beirut zu seinen Gunsten zu beeinflussen: Die Waffen, mit denen der Iran die Hisbollah unterstützt, gelangen über Syrien in die Hände der Islamisten.

Dennoch herrschen trotz aller Erwartungen im Libanon weiter Zweifel an den Absichten Syriens: Zwar endete mit der Besetzung des Libanon die Zeit, in der Damaskus die Politik des Nachbarn direkt dominieren konnte. Nach der Ermordung des libanesischen Ex-Ministerpräsidenten Rafik Hariri waren die syrischen Truppen zum Abzug gezwungen. Das Regime um Assad steht bis heute unter Verdacht, in den Anschlag verwickelt zu sein. Über seine Verbündeten, maßgeblich die Hisbollah, macht Syrien jedoch weiterhin seinen Einfluss geltend. Im Juli ist in Beirut eine Allparteienregierung angetreten, innerhalb derer das prosyrische Lager ein Vetorecht zugestanden bekam. Am Dienstag hat das Parlament dem Kabinett das Vertrauen ausgesprochen. Mit der Bildung der neuen Regierung endete im Libanon ein Machtkampf zwischen pro- und antisyrischen Parteien, der das Land während der Unruhen im Mai an den Rand eines Bürgerkriegs gebracht hat.

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