Politik : Trittin: EU-Ziel kann Klimaschäden nur begrenzen

Sandra Weiss/Nina C. Zimmermann

Buenos Aires/Berlin - Zu Beginn der Ministergespräche bei der Klimakonferenz in Buenos Aires hat UN-Generalsekretär Kofi Annan einschneidende Maßnahmen gegen den Treibhauseffekt gefordert. „Neue, klimafreundliche Entwicklungsstrategien tun Not“, hieß es in dem Grußwort, das der Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, verlas. Die Teilnehmerländer müssten dafür sorgen, dass die im Kyoto-Protokoll vereinbarten Mechanismen funktionierten. Zudem müsse über die Zeit nach dem Auslaufen der Vereinbarung 2012 nachgedacht werden.

Neuen Studien zufolge schreitet die Erderwärmung schneller voran als gedacht. Ohne weitere Maßnahmen drohen verheerende Folgen: So prognostiziert das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, bei einem Temperaturanstieg von rund zwei Grad könnten Reisernten in Südostasien um bis zu 25 Prozent zurückgehen und dicht bevölkerte Küstenstreifen überflutet werden. Um das zu verhindern, müsste der Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 weltweit halbiert werden. Womöglich reicht das aber nicht, um den Klimawandel aufzuhalten. Bundesumweltminister Jürgen Trittin sprach daher von einer allenfalls „begrenzten Katastrophe“, wenn das von der EU angestrebte Ziel erreicht wird, die Temperatur um nicht mehr als zwei Grad über das vorindustrielle Niveau steigen zu lassen. Es gäbe dann zum Beispiel kaum noch Dauerfrostböden in den Alpen und keine Gletscher mehr, warnte er in Buenos Aires.

Doch die Europäer tun sich schwer mit der Forderung nach umfassenderem Klimaschutz. Sie wollen Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien, deren Anteil an den Emissionen rapide wächst, mit ins Boot holen sowie die USA, die sich weigern, das Kyoto-Protokoll über die Verringerung der Emissionen zu ratifizieren. Die USA haben aber stets deutlich gemacht, dass sie nicht verhandeln wollen. Auch die Schwellenländer reagieren abweisend auf das Ansinnen, sich auf eine Minderung ihres Schadstoffausstoßes verpflichten zu lassen. Chinas Chefunterhändler betonte, sein Land sei bereit, über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen zu diskutieren, dieses müsse aber flexibel sein, um die Schwellenländer nicht in ihrer Entwicklung zu bremsen. China ist nach den USA der zweitgrößte Emissionsherd.

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