Politik : Trittin gegen EU-Atomplan

Energiekommissarin hält Gorleben für guten Endlagerstandort

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Berlin (deh). Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) ist verärgert über einen Vorschlag der EUEnergiekommissarin Loyola de Palacia. In einem Richtlinienvorschlag zur Atomsicherheit in Europa hatte de Palacio behauptet, Deutschland verfüge über einen „aussichtsreichen Standort“ für ein Atomendlager, „der aus politischen Gründen derzeit nicht genutzt“ werden könne. Trittins Sprecher Michael Schroeren wies dies zurück. „Wir haben die Erkundung des Salzstocks in Gorleben gestoppt, weil diese von unserer Vorgängerregierung aus politischen Gründen betrieben worden war“, sagte er dem Tagesspiegel. Trittin hat das Thema deshalb auf die Tagesordnung des EU-Umweltministerrates Anfang nächster Woche setzen lassen.

De Palacio plädiert zudem für „regionale Lösungen“ bei der Atomendlagerung. Mehrere Staaten könnten auch gemeinsam ein Endlager betreiben. Darauf will sich die Bundesregierung auf keinen Fall einlassen. „Wir wollen das Problem, das wir verursacht haben, im eigenen Land lösen“, sagte Schroeren. Deshalb komme auch kein Import von Atommüll aus anderen Ländern in Frage.

In ihrem Vorschlag will de Palacio die EU-Mitgliedsstaaten verpflichten, bis 2008 Endlager in tiefen geologischen Schichten zu genehmigen und von 2018 an betriebsbereit zu halten. „Das geht schon rein physikalisch nicht“, meinte Schroeren. Zunächst müsse der Atommüll in der Zwischenlagerung abkühlen, damit er überhaupt endgelagert werden könne. Deutschland brauche deshalb erst 2030 ein Endlager. Es sei nicht praktikabel, ein Endlager über Jahre betriebsbereit zu halten, das nicht gebraucht werde. Das sei viel zu teuer.

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