• "Trittin hat Angst vor einer Niederlage" - Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann im Gespräch

Politik : "Trittin hat Angst vor einer Niederlage" - Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Winfried Hermann im Gespräch

Umweltminister Trittin sieht wenig Chancen fü

Winfried Hermann (47), baden-württembergischer Grünen-Bundestagsabgeordneter, ist stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt und Naturschutz.

Umweltminister Trittin sieht wenig Chancen für ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Warum setzt die rot-grüne Regierung in Deutschland nicht durch, was in fast allen europäischen Ländern geltendes Recht ist?

Trittin hat vermutlich Recht mit der Annahme, dass die Deutschen die Freiheit auf den Autobahnen, die Freiheit der hohen Geschwindigkeit, als besonderes Heiligtum betrachten.

Und daraus folgt, dass das Ziel aufgegeben werden kann?

Das wäre falsch. Gerade aus grüner Sicht ist es dringend notwendig, für ein Tempolimit zu kämpfen. Dafür spricht sehr viel: Klimaschutz, sinkender Spritverbrauch, Bekämpfung der Ozongefahren. Und natürlich wäre es nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch aus Gründen der Verkehrssicherheit sinnvoll, endlich zu einem Tempolimit zu kommen.

Warum ist Trittin so zögerlich?

Er hat Angst, eine Niederlage einzufahren. Autofahrer und Autoindustrie haben mit Kanzler Schröder und Verkehrsminister Klimmt mächtige Fürsprecher, die ein Tempolimit verhindern. Aber deshalb dürfen wir Grünen das Ziel nicht aus den Augen verlieren, selbst wenn es schwer durchzusetzen ist.

Was würde Tempo 100 bringen?

Eine deutliche Reduktion der Ozon-Vorläufersubstanzen um fünf bis zehn Prozent. Der Spritverbrauch und der Ausstoss von Kohlendioxid im Verkehrssektor würde sich im gleichen Umfang verringern. Keine Umwelt-Maßnahme ist so preiswert und so rasch wirkungsvoll wie ein Tempolimit.

Was spricht gegen verkehrsabhängige Regelungen, ein Limit nur bei dichtem Verkehr?

Ich beharre nicht auf einer sturen Tempo-Limitierung, letztlich wäre mir jede sinnvolle Lösung recht. Aber für eine reduzierte Geschwindigkeit bin ich auf jeden Fall. Das könnte dann auch eine gesteuerte sein, mal 80, mal 100, von mir aus auch mal 130 Kilometer pro Stunde. Aber in diesem Korridor muss sich das bewegen. Das würde nicht nur den Kohlendioxid-Ausstoß mindern, sondern auch viel Stress sparen.Das Gespräch führte

Matthias Meisner

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