Politik : Trittin nennt Gorleben einen „verbrannten“ Standort

Bericht über Atommüll-Endlager / Umweltminister: Bei der Suche nach einem Standort ist politisch einiges falsch gelaufen

Cordula Eubel

Berlin. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat Zweifel daran erkennen lassen, dass er den Salzstock Gorleben für ein geeignetes Atommüll-Endlager hält. „Es stellt sich die Frage, ob das ein verbrannter Standort ist“, sagte Trittin. Umstritten ist unter Wissenschaftlern, ob Gorleben geologisch geeignet ist. Dort sei relativ viel verkehrt gelaufen, bemängelt Trittin außerdem mit Blick auf das politische Verfahren. Seit Jahren protestieren Atomkraftgegner und Anwohner aus dem Wendland gemeinsam gegen Castor-Transporte. Auf andere mögliche Standorte will sich der Umweltminister derzeit aber noch nicht festlegen. „Erst müssen wir die Kriterien für die Auswahl festlegen. Dann wenden wir das auf die Landkarte an“, sagte Trittin. Für die Ausarbeitung von Kriterien will er im ersten Quartal des kommenden Jahres eine Verhandlungsgruppe einsetzen, die in dieser Wahlperiode dazu einen Katalog erarbeiten soll.

Ein Arbeitskreis von Wissenschaftlern hat dem Minister am Dienstag nach vierjähriger Arbeit Vorschläge unterbreitet, wie ein Auswahlverfahren für Endlagerstandorte gestaltet werden könnte. Die Experten empfehlen, nicht nur nach geologischen Kriterien zu entscheiden, wo der radioaktive Abfall gelagert wird, sondern mit einem transparenten Verfahren auch die Akzeptanz vor Ort für ein mögliches Endlager zu stärken. In einem mehrstufigen Verfahren solle die Auswahl stattfinden: zunächst durch Prüfungen mehrerer Standorte über Tage, dann durch mehrjährige untertägige Tests an zwei Orten. Bis zum Jahr 2030 sei es möglich, ein Endlager zu bauen, in dem der radioaktive Müll Millionen Jahre lang aufbewahrt werden könne, sagen die Wissenschaftler. Sie gehen davon aus, dass es in Deutschland mehrere potenzielle Atommüll-Endlager gibt.

Trittin sprach sich dafür aus, radioaktiven Abfall aus Deutschland nicht ins Ausland zu schaffen. „Jeder ist für seinen eigenen Müll zuständig.“ Mit der Idee, internationale Endlager zu schaffen, hatte die EU-Kommission für Aufregung gesorgt. Bis zum Jahr 2080 werden in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung 310 000 Kubikmeter schwach- bis mittelradioaktiver Müll und 35 000 Kubikmeter hochradioaktiver Müll anfallen. Weltweit existiert kein einziges Endlager für Atommüll.

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