• Trittin weist Vorwürfe zurück - "Über gefälschte Dokumente nicht frühzeitig informiert"

Politik : Trittin weist Vorwürfe zurück - "Über gefälschte Dokumente nicht frühzeitig informiert"

Das Bundesumweltministerium war nach eigenen Angaben seit September 1999 über den Verdacht manipulierter Sicherheitsnachweise in der britischen Atomanlage Sellafield informiert. Es habe aber erst später erfahren, dass Brennelemente mit gefälschten Unterlagen auch nach Deutschland geliefert worden seien, teilte das Ministerium in Berlin mit.

Mit dieser Stellungnahme reagierte das Ministerium auf einen Bericht der "Berliner Zeitung", Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sei früher als bisher bekannt über Mängel in Sellafield informiert gewesen. "Der offenbar beabsichtigte Eindruck, das Bundesumweltministerium habe bereits im Herbst 1999 davon gewusst, dass Brennelemente mit gefälschten Unterlagen auch nach Deutschland geliefert worden seien, ist irreführend", hieß es in der Mitteilung.

Das Ministerium bestätigte Angaben der "Berliner Zeitung", wonach es am 15. September von der deutschen Botschaft in London über Schwierigkeiten zwischen japanischen Atomkraftwerksbetreibern und der Betreiberfirma der britischen Wiederaufarbeitungsanlage, BNFL, in Kenntnis gesetzt worden ist. Allerdings habe der Bericht nur "Zeitungsleserwissen" weitergegeben und keinerlei Hinweise darauf enthalten, dass von den Unregelmäßigkeiten bei BNFL auch Brennelement-Lieferungen nach Deutschland betroffen seien. Tatsächlich habe die Bundesregierung damals von der britischen Atomaufsicht die telefonische Auskunft erhalten, "dass von den Fälschungen ausschließlich das japanische Geschäft der BNFL betroffen sei".

BNFL hatte kürzlich eingeräumt, dass aus Sellafield 1996 vier Brennelemente mit gefälschten Sicherheitsdokumenten an das niedersächsische Atomkraftwerk Unterweser geliefert wurden. Der Betreiber des Reaktors, die PreussenElektra AG in Hannover, ließ die Anlage deshalb vorige Woche vorübergehend vom Netz nehmen. Als falsch wies das Bundesministerium die in der "Berliner Zeitung" wiedergegebene Behauptung des niedersächsischen Umweltministeriums zurück, es sei erst Ende Januar dieses Jahres aus Berlin über die Vorkommnisse in Sellafield unterrichtet worden.

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