Politik : Trittin will dem bayrischen Atomkraftwerk Gundremmingen vorerst keine Genehmigung erteilen

Die Entscheidung über die geplante Leistungssteigerung des Atomkraftwerks Gundremmingen ist völlig offen. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will den bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) bitten, vorerst keine Genehmigung für die geplante Druckerhöhung in den Blöcken B und C in Gundremmingen zu erteilen. Ein entsprechendes Schreiben werde das Umweltministerium in Berlin nach München senden, sagte ein Ministeriumssprecher am Donnerstag. Schnappauf sagte die Zusammenarbeit Bayerns mit dem Bund in dem Genehmigungsverfahren zu.

Die Erweiterung des Atomkraftwerks solle aus Berliner Sicht nicht erlaubt werden, bis auch das Bundesumweltministerium das Vorhaben geprüft habe. Außerdem werde man Bayern bitten, dem Bundesumweltminister einen Genehmigungsentwurf zu übersenden, hieß es in Berlin. Schnappauf versicherte, dass weitere Genehmigungsverfahren mit "Gelassenheit und Behutsamkeit" zu verfolgen. Der Bund werde selbstverständlich über den Verfahrensgang informiert.

Das bayerische Umweltministerium hatte bestätigt, dass die RWE Energie AG die elektrische Leistung von Gundremmingen von derzeit 1344 auf 1450 Megawatt steigern will. Nach Angaben des Sprechers wurde das Umweltministerium in Berlin in einem Schreiben vom 25. Oktober aus München über dieses Vorhaben informiert. Bislang sei nicht geklärt, ob das Haus Trittins als oberste Atombehörde in Deutschland in diesem Fall bundesaufsichtlich tätig werden müsse.

Eine politische Bewertung der Pläne wollte das Bundesumweltministerium nicht abgeben. Der Sprecher wies darauf hin, dass seit der Regierungsübernahme durch die rot-grüne Koalition vor einem Jahr mit Grohnde (Niedersachsen) und Isar II (Bayern) bereits die Leistung anderer Reaktoren gesteigert worden sei.

Die Kraftwerke Gundremmingen Betriebsgesellschaft (KGB) plant, den Reaktordruck um vier Prozent zu steigern. Außerdem sollten die Kühltürme eine bessere Verrieselung erhalten und die Kondensatoren umgebaut werden, teilte die KGB mit. "Unsere Betriebserfahrungen sowie die Erfahrungen anderer Kraftwerke haben gezeigt, dass derartige Leistungserhöhungen innerhalb der technischen Reserven der Anlage liegen und ohne größeren Aufwand zu realisieren sind", hieß es in einer Mitteilung.

Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums wird der TÜV ein sicherheitstechnisches Gutachten anfertigen. Der Betreiber müsse die vollständigen Antragsunterlagen einreichen. Das Genehmigungsverfahren wird nach Einschätzung eines Ministeriumssprechers etwa eineinhalb Jahre dauern. "Eine Genehmigung wird nur dann erteilt, wenn garantiert ist, dass bei diesem Verfahren höchste Sicherheitsstandards eingehalten werden", versicherte Schnappauf.

Der bayerischen Bund Naturschutz (BN) lehnte die Pläne zur Leistungssteigerung in Gundremmingen in einer Stellungnahme ab. "Jeder Ausbau eines Kraftwerks bedeutet ein Mehr an Atommüll", erklärte der BN-Energieexperte Stefan Maurer in Nürnberg auf Anfrage.

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