Politik : Tröpfchenstrategie

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wenn es um die 18-Prozent-Strategie der Freien Demokraten geht, reden alle nur über Jürgen W. Möllemann und sein Fischen in trüben Wassern. Im Schatten des lauten Streits aber sind die FDP-Abgeordneten im Bundestag längst dabei, auch andere, etwas klarere Quellen anzuzapfen, als der Parteivize das tut. Freilich geht es dabei nicht um große Wasserspeicher, sondern eher um kleine Pfützen, um nicht zu sagen Tröpfchen. Jeder Naturfreund weiß schließlich, dass sich viele, viele Tropfen irgendwann einmal zu einem großen, mächtigen Strom von mindestens 18 Metern Breite vereinen.

Deshalb bemühen sich die Freien Demokraten in Kleinen Anfragen nun um alle möglichen Sondergruppen. So fragen sie die Regierung etwa nach der Farbe von Taxi-Lackierungen. Richtig: Über Taxi-Lackierungen soll die Koalition Auskunft geben. Da sich elfenbeinfarben lackierte Taxen nur unter Wert verkaufen lassen, macht sich die FDP für Ausnahmegenehmigungen stark: Es soll erlaubt sein, Taxis auch in Silbermetallic zu spritzen. Silbermetallic, ist das die neue Farbe freidemokratischer Politik?

Egal, in einer weiteren Anfrage kümmert sich die FDP jedenfalls um Notfallschlepper auf der Nord- und Ostsee. Wohlgemerkt: Notfallschlepper. Auch Kapitäne von Bergungsschiffen gehen zur Wahl. Niemand sollte deshalb überrascht sein, wenn die FDP demnächst noch mehr Berufsinteressen entdeckt und etwa Importerleichterungen für Papageienzüchter fordert, ein neues Melderecht für Polarforscher befürwortet oder ein Nagelgeld für hauptberufliche Fakire verlangt. Wie gesagt: Irgendwie müssen die 18 Prozent ja zusammenkommen - und sei es Tropfen für Blutstropfen. Hans Monath

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