Trotz Bemühen um Waffenruhe : Russland beginnt Großmanöver im Schwarzen Meer

Ein Treffen der im Ukraine-Konflikt vermittelnden Kontaktgruppe rückt näher und eine neue Feuerpause scheint möglich. Doch gleichzeitig testet Russland im Schwarzen Meer Jagdbomber und Kriegsschiffe.

Ein russischer Kampfjet vom Typ Suchoi SU-25. Solche Flugzeuge testet Russlands Armee aktuell im Schwarzen Meer - direkt neben der Ukraine
Ein russischer Kampfjet vom Typ Suchoi SU-25. Solche Flugzeuge testet Russlands Armee aktuell im Schwarzen Meer - direkt neben der...Foto: dpa

Russland hat mit einem Großmanöver direkt neben der Krisenregion begonnen - trotz internationaler Friedensbemühungen im Ukraine-Konflikt. Im Schwarzen Meer seien etwa 20 Kriegsschiffe sowie Jagdbomber vom Typ Suchoi Su-24 und Kampfhubschrauber im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. Auch Tests von Marschflugkörpern seien geplant.

Nach dem umstrittenen Anschluss der Schwarzmeerhalbinsel Krim an Russland dürfte die Übung für neue Spannungen sorgen. In der Nähe des Manövers liegen etwa die ukrainischen Hafenstädte Odessa und Mariupol, in denen es in dem Konflikt blutige Zusammenstöße gegeben hatte. Die Ukraine warf Russland derweil eine grobe Verletzung ihres Luftraums vor.

Merkel dringt auf neue Verhandlungen

Im Ringen um Frieden in der Ostukraine soll ein Krisentreffen den Weg für eine Waffenruhe frei machen. Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko forderte alle Konfliktparteien auf, an diesem Samstag bei Verhandlungen einen Ausweg zu suchen, wie das Präsidialamt in Kiew mitteilte. Die moskautreuen Separatisten stimmten einem Treffen der sogenannten Kontaktgruppe aus Russen, Ukrainern und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) grundsätzlich zu. Sie schlugen als Ort die weißrussische Hauptstadt Minsk vor. Offiziell bestätigt war das Treffen bis zum Abend aber nicht.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt in dem Konflikt auf neue Verhandlungen. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert telefonierte Merkel mit Poroschenko und mit Frankreichs Präsidenten François Hollande. Alle drei appellierten an Russland, seinen Einfluss auf die Aufständischen geltend zu machen.

Russland hatte sich in Vierergesprächen mit der Ukraine, Deutschland und Frankreich zuletzt für Friedensverhandlungen ausgesprochen. Die Seiten hatten einen neuen Versuch vereinbart, eine Waffenruhe auszuhandeln. Dazu soll bis spätestens Samstag die Kontaktgruppe zusammenkommen.

Die Gefechte gehen weiter

Parallel zum Ringen um eine Waffenruhe kamen bei Gefechten erneut zahlreiche Menschen ums Leben. Durch Luftschläge und Artilleriefeuer seien sechs Stellungen prorussischer Separatisten zerstört worden, teilte ein Sprecher des „Anti-Terror-Einsatzes“ in Kiew mit. Der Ort Nikolajewka sei von den Truppen eingeschlossen. Mindestens 150 Aufständische seien getötet worden. Auch zwei Soldaten seien ums Leben gekommen, vier weitere seien verletzt worden, hieß es.

Leben im Kampfgebiet Ostukraine
Nach dem Ende der Feuerpause am Abend des 30. Juni 2014 sind die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Separatisten in der Ostukraine neu entflammt. Viele Menschen sind aus den Kampfgebieten geflohen, doch einige leben immer noch in dem Gebiet um Donezk, Lugansk, Slowjansk und Kramatorsk. Bilder dokumentieren ihren dramatischen Alltag. In den ersten Juli-Tagen wurde dieses Gebäude in Kramatorsk zerbombt. Die Besitzerin sieht jetzt nach den Schäden - die erheblich sind.Weitere Bilder anzeigen
1 von 15Foto: dpa
04.07.2014 21:55Nach dem Ende der Feuerpause am Abend des 30. Juni 2014 sind die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Separatisten in der...

Seit er am Montagabend die Feuerpause nicht verlängerte, lässt Poroschenko wieder Städte in den Regionen Lugansk und Donezk bombardieren. Dort kämpfen militante prorussische Kräfte um die Unabhängigkeit der nicht anerkannten „Volksrepubliken Donezk und Lugansk“ - zum Teil auch gegen Freiwilligenverbände auf Seiten der ukrainischen Regierung. Die Aufständischen hoffen weiter auf militärische Hilfe von Kremlchef Wladimir Putin und einen Einmarsch russischer Truppen.

Kiew droht, russische Kampfhubschrauber abzuschießen

Die Führung in Kiew warf Moskau am Abend vor, den ukrainischen Luftraum verletzt zu haben. Sie drohte mit dem Abschuss von Kampfhubschraubern. Drei Maschinen mit Kennzeichen des russischen Militärs seien mehrmals unerlaubt auf ukrainisches Territorium geflogen, sagte Sicherheitsratschef Andrej Parubij. Die ukrainische Führung habe Russland in einer Protestnote mit Nachdruck aufgefordert, Grenzverletzungen sofort einzustellen. „Das ist eine Warnung, dass wir die Maschine sonst abschießen“, betonte Parubij. Zuvor hatte er Moskau aufgefordert, Truppen von der gemeinsamen Grenze abzuziehen.

Die Ukraine beschuldigt Russland zugleich, Nachschublieferungen für moskautreue Aufständische über die Grenze nicht zu verhindern. Allein im Gebiet Lugansk würden die militanten Gruppen mittlerweile über mindestens 20 Panzer und mehr als 120 Panzerfahrzeuge verfügen, sagte Juri Stez von der Nationalgarde in Kiew.

Der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin warf dem Westen die Versorgung der Ukraine mit Waffen vor. Es gehe vor allem um früheres sowjetisches Kriegsgerät aus den Arsenalen osteuropäischer Nato-Mitglieder. Es sei ganz typisch für die Nato, dass sie stets Öl ins Feuer gieße. Das Bündnis hatte mehrfach Waffenlieferungen für die Ukraine ausgeschlossen. Sehr wohl aber könnten einzelne Mitgliedstaaten Militärhilfe leisten.

12 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben