• Trotz deutlich höherer Pkw-Zahl im Jahr 2020 sollen Spritverbrauch und Schadstoffe viel niedriger sein, behauptet eine Shell-Studie

Politik : Trotz deutlich höherer Pkw-Zahl im Jahr 2020 sollen Spritverbrauch und Schadstoffe viel niedriger sein, behauptet eine Shell-Studie

Rolf Obertreis

Das ist die Nachricht, auf die Automanager wie Umweltschützer gewartet haben: Autofahren ist kaum noch eine Umweltsünde - spätestens im Jahr 2020 ist es nicht mehr nötig, die Stirn in Falten zu legen, wenn man sich hinters Steuer setzt. Denn der Mineralölkonzern Shell hat in einer Studie festgestellt: "Mehr Mobilität und eine bessere Umwelt sind kein Gegensatz. Beides ist machbar", verkündete Vorstandsmitglied Fritz Vahrenholt, einst engagierter Kämpfer in Sachen Ökologie, am Montag bei der Vorstellung in Frankfurt am Main.

Die frohe Kunde kommt zur rechten Zeit - ein Zufall? Die Internationale Automobilausstellung (IAA) steht bevor. Umweltschützer haben den auf der IAA in Frankfurt alle zwei Jahre mit dreistelligem Millionenaufwand betriebenen Fahrzeug-Kult immer heftig kritisiert. In diesem Jahr soll das anders sein. Zwar wird es im Jahr 2020 bis zu 51 Millionen Autos geben, stellt die Studie fest - für 1000 Deutsche stehen dann rein rechnerisch 750 Pkw zur Verfügung. Der Umwelt gerät das aber nicht zum Nachteil. Die Emissionen des Straßenverkehrs werden dann um 90 Prozent niedriger liegen als Ende der 80er Jahre, der Benzinverbrauch sinkt um ein Drittel. "Das Problem der klassischen Luftschadstoffe kann schon heute so gut wie abgehakt werden", verkündet Vahrenholt. In der Studie steht es: Benzol, Stickoxide, Dieselpartikel, Kohlenwasserstoffe und Kohlenmonoxid - beim Autofahren ist das alles kein Problem mehr. Nur beim Kohlendioxid müssen die Autobauer noch kräftig etwas tun. Damit sich das Klima nicht doch in unerwünschtem Maße aufheizt.

Vahrenholt - einst schrieb er den Öko-Klassiker "Seveso ist überall" - sieht keinen Anlass zur Sorge. Die Industrie hat seiner Überzeugung nach die Zeichen der Zeit erkannt. Diesel- und Ottomotoren werden in den nächsten Jahren noch sparsamer und sauberer. Wasserstoff und Brennstoffzelle machen das Autofahren endgültig zum "sauberen" Vergnügen. Von 2005 an sollen die ersten Serienautos mit der neuen Wunder-Technik von den Bändern laufen. Allerdings gibt es dann ein kleines Problem: Die notwendigen Wasserstoffzapfsäulen werden fehlen. Sie sind teuer. Also brauchen die Wasserstoff-Autos doch Benzin: Es wird erst im Auto selbst in Wasserstoff und Kohlendioxid gespalten. Aus dem Auspuff entweicht immer noch CO2

Für Vahrenholt ein kleines Manko, das die Industrie auch noch in den Griff bekommt.

Die Ingenieure werden nicht ruhen: Der Drei-Liter-Diesel und der Fünf-Liter-Benziner werden Standard. Im Schnitt sollen die Autos in gut 20 Jahren nur noch halb so viel Treibstof brauchen wie heute: Statt acht nur noch vier Liter. Neun Millionen mehr Autos als heute wird es dann auf Deutschlands Straßen geben. Aber sie verbrauchen, so Shell, ein Drittel weniger Benzin. Auch deshalb, weil die Deutschen mit ihren Autos weniger fahren als heute - vielleicht, weil es im Jahr 2020 noch mehr Staus geben wird. Darüber allerdings schweigen die Autoren der Studie. Vor 40 Jahren haben Shell-Forscher in ihrer ersten Studie vor elf Millionen Pkw 1975 gewarnt. Dann werde das Verkehrschaos ausbrechen. Heute rollen 42 Millionen Autos durch die Republik. Unterdessen glaubt man heute bei Shell, 2020 wären 51 Millionen Fahrzeuge der Umwelt ziemlich egal.

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