Trotz hoher Schulden : Bauen die Griechen eine Formel-1-Piste?

Mitten in die Debatte um ein neues Hilfspaket für Griechenland platzt eine irritierende Nachricht: Das Land plant angeblich eine Rennstrecke für viele Millionen Euro. Ein Blick auf die Türkei zeigt, dass die Formel 1 kein Garant für neue Einnahmen ist.

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18./19. Juli 2011: In ganz Griechenland streiken die Taxi-Fahrer für 48 Stunden. Wie hier auf Kreta arten die Proteste vereinzelt in Gewalt aus.Weitere Bilder anzeigen
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19.07.2011 10:0718./19. Juli 2011: In ganz Griechenland streiken die Taxi-Fahrer für 48 Stunden. Wie hier auf Kreta arten die Proteste vereinzelt...

Pläne zum Bau einer Formel-1-Strecke im hoch verschuldeten Griechenland sorgen für Aufregung. Das EU-Mitglied am Rande des Staatsbankrotts will nach Presseberichten einen Rennkurs in der Nähe der Hafenstadt Patras errichten. Die Behörden in Griechenland versprechen sich davon wichtige wirtschaftliche Impulse. Doch mitten in der Debatte über ein neues Hilfspaket von 60 Milliarden Euro nach der ersten, 110 Milliarden Euro teuren Rettungsaktion im vergangenen Jahr hat das Millionenprojekt eines Formel-Eins-Kurses im Rest der EU Irritationen ausgelöst. Sollten sich die Griechen wirklich hohe Einnahmen durch die Formel-Eins-Strecke erhoffen, wäre ein Blick zum Nachbarn Türkei möglicherweise hilfreich. Denn dort zeigt sich, dass ein Rennkurs kein Garant für einen Geldsegen ist.

Seit 2005 werden auf der Istanbuler Formel-Eins-Strecke „Istanbul Park“ im asiatischen Teil der türkischen Metropole Rennen gefahren. Billig war auch der türkische Kurs nicht. Die Strecke allein kostete rund 160 Millionen Dollar, rechnet man die zusätzlichen Bau- und Infrastrukturmaßnahmen in der Region hinzu, kommt man auf Gesamtkosten von etwa 2,5 Milliarden Dollar. Eine beträchtliche Summe für ein relativ armes Land für die Türkei. Immerhin brachten die Türken das Geld selbst auf, ohne die EU oder sonst jemanden um Hilfe bitten zu müssen.

Für die Türkei brachte der Einstieg in den weltweiten Formel-Eins-Zirkus damals einen wichtigen psychologischen Durchbruch; die von dem deutschen Architekten Hermann Tilke konzipierte, 5,3 Kilometer lange Rennstrecke war Teil der Bestrebungen Ankaras, dem Land ein neues, weltoffenes Image zu verschaffen.

Sechs Jahre nach dem Start der Motoren in Istanbul ist die Bilanz dennoch durchwachsen. Statt der erhofften 120.000 Zuschauer pro Rennen kamen meist sehr viel weniger; den Sieg von Sebastian Vettel beim Grand Prix am vergangenen Sonntag sahen nach offizieller Zählung nur 42.000 Gäste. Die Rennstrecke liegt rund 40 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, die Anreise in der durch die Bosporus-Meerenge geteilte Stadt ist nicht für alle Besucher einfach.

Inzwischen ist es fraglich, ob die Formel-Eins-Wagen überhaupt noch einmal an den Bosporus zurückkehren. Vettels Sieg könnte der vorerst letzte eines Formel-Eins-Piloten in Istanbul gewesen sein. Der Grund liegt in finanziellen Streitigkeiten. Medienberichten zufolge fordert Formel-Eins-Manager Bernie Ecclestone plötzlich sehr viel mehr Geld von den Türken. Bisher habe die Türkei als Ausrichter 13 Millionen Dollar pro Rennen bezahlt, doch nun wolle Ecclestone das Doppelte sehen, meldeten die Zeitungen.

Yunus Akgül, der in der Istanbuler Verwaltung für die Formel Eins verantwortliche Beamte, erklärte sich zu einer gewissen Anhebung der Zahlung bereit. Doch die von Ecclestone verlangte Summe von 26 Millionen Dollar sprenge jeden Rahmen. Akgül warf dem als harten Verhandler bekannten Formel-Eins-Chef vor, sich aufzführen „wie auf einem Dorf-Bazar“. Wenn keine Einigung möglich sei, dann werde es eben keine Formel Eins in der Türkei mehr geben, sagte Akgül vor einigen Tagen. Das Land könne als Ersatz jede Menge andere Motorsport-Veranstaltungen an den Bosporus holen.

Inzwischen haben sich die Gemüter wieder etwas beruhigt. Von türkischer Seite verlautete, nach einem Gespräch mit Ecclestone erscheine eine Einigung nicht mehr völlig ausgeschlossen. Mehr zahlen als bisher werden die Türken am Ende aber sicherlich – trotz enttäuschender Zuschauerzahlen. Ob die ohnehin finanzschwachen Griechen beim Formel-Eins-Boss Ecclestone mehr Gnade finden würden als die Türken, ist offen. Das Beispiel Türkei zeigt aber, dass sich eine teure Rennstrecke nicht unbedingt bezahlt macht.

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