Trotz Kritik : Pakistans Präsident beugt sich den Taliban

Scharia eingeführt Pakistans Präsident Asif Ali Zardari hat sich den Taliban gebeugt und ihnen faktisch das Swat-Tal, ein Gebiet im Norden des Landes, überlassen. Trotz Kritik der USA unterzeichnete er nach langem Zögern einen umstrittenen "Friedensdeal" mit den Rebellen.

Christine Möllhoff

Neu-DelhiDanach gilt im Swat- Tal künftig offiziell das islamische Rechtssystem, die Scharia, und damit ein anderes Recht als im Rest des Landes. Dafür sicherten die Rebellen zu, die Waffen niederzulegen. Zuvor hatte sich bereits das Parlament hinter die Einführung der Scharia gestellt – und damit der Kritik aus dem Westen getrotzt.

Mit dem heiklen Handel will die Regierung Frieden in dem Tal erkaufen, das nur zwei Stunden Autofahrt von der Hauptstadt Islamabad entfernt liegt. Soldaten und Rebellen hatten sich dort über Monate blutige Kämpfe geliefert. Die Lage war laut Medien völlig außer Kontrolle. Die Taliban brannten hunderte Schulen nieder und töteten „Gegner“. Tausende Menschen mussten fliehen. Im Februar hatten Talibanführer und die bedrängte Provinzregierung der Nordwestprovinz dann den Handel vereinbart, der Scharia für Frieden vorsieht.

Erste Scharia-Gerichte arbeiten bereits seit März im Swat-Tal. Laut Medien begrüßten viele Menschen ihre Einrichtung, weil sie nun für eine schnelle und wirksame Justiz in der gesetzlosen Region sorgen. Der Geistliche Maulana Sufi Mohammad, der das Abkommen vermittelte, hatte am Freitag aber gedroht, den Deal platzen zu lassen, sollte Zardari ihn nicht endlich absegnen. Der Präsident holte sich daraufhin zuerst die Rückendeckung des Parlaments ein. Aber auch in Pakistan gibt es Bedenken.„Wer wird dort Freiheit und Menschenrechte garantieren“, sagte die frühere Informationsministerin Sherry Rehmann von der regierenden Partei PPP.

Im Swat-Tal tauchte jüngst ein Video auf, das zeigt, wie Taliban eine 17-Jährige auspeitschen, weil ihr eine Affäre nachgesagt wurde. Auch in Afghanistan haben die Taliban in abgelegenen Teilen des Landes wieder ein paralleles Justizsystem errichtet. In der südwestafghanischen Provinz Nimros richteten sie nach offiziellen Angaben ein unverheiratetes Liebespaar öffentlich mit Schüssen hin. Das 19-jährige Mädchen und ihr vier Jahre älterer Freund waren von zu Hause weggelaufen, weil ihre Eltern ihnen die Heirat verweigerten. Die Familie des Mädchens spürte sie auf und lieferte sie an die Taliban aus. Besonders das Talibanregime in Afghanistan hat die Scharia drakonisch ausgelegt und grausame Strafen wie die Steinigung von Ehebrechern verhängt.

Die USA und Europa sehen das Abkommen in Pakistan mit Sorge. Tatsächlich sendet Islamabad ein gefährliches Signal aus: Das Engegenkommen könnte die Macht der Taliban festigen und sie ermutigen, weitere Landesteile zu erobern. Schon dringen die Taliban in die an das Swat-Tal grenzende Buner-Region vor.

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