• Trotz massiver Übergriffe pro-indonesischer Milizen halten die Vereinten Nationen an dem geplanten Referendum fest

Politik : Trotz massiver Übergriffe pro-indonesischer Milizen halten die Vereinten Nationen an dem geplanten Referendum fest

Trotz einer neuen Welle der Gewalt in Ost-Timor halten die Vereinten Nationen an der für Montag geplanten Volksabstimmung über die Zukunft der früheren portugiesischen Kolonie fest. UN-Generalsekretär Kofi Annan reagierte "mit Entsetzen" auf die Ausschreitungen pro-indonesischer Milizen, bei denen am Vortag in Dili vermutlich sieben Menschen ums Leben gekommen sind. Der unter Hausarrest stehende Führer der Unabhängigkeitsbewegung, Xanana Gusmao, forderte die sofortige Entsendung einer UN-Friedenstruppe.

Der Weltsicherheitsrat in New York rief die indonesische Regierung dringend auf, ihrer Verantwortung für die Sicherheit in Ost-Timor gerecht zu werden. 450 000 Menschen sollen dort am Montag entscheiden, ob die Inselhälfte mit größerer Autonomie bei Indonesien bleibt oder selbstständig wird. Das Gebiet war 1975 von indonesischen Truppen besetzt worden.

Der Chef der 900 Mann starken UN-Mission in Ost-Timor, Ian Martin, sagte in Dili: "Es ist höchste Zeit, dass die indonesische Polizei härter durchgreift." Nach Berichten der UN-Angehörigen hatten Sicherheitskräfte den Ausschreitungen pro-indonesischer Milizen am Donnerstag meist tatenlos zugesehen. Keiner der Verantwortlichen wurde entwaffnet oder festgenommen.

Nach Angaben von Hilfsorganisationen kam es auch in der Nacht zum Freitag zu Übergriffen der Milizen, die einer massiven Einschüchterungskampagne beschuldigt werden. Bei einem Sieg der Unabhängigkeits-Befürworter drohen sie mit gewaltsamem Widerstand. Hunderte von Flüchtlingen versuchten am Freitag, Ost-Timor per Schiff zu verlassen. Die meisten Geschäfte blieben geschlossen.

Gusmao appellierte an die Weltöffentlichkeit, der Gewalt in Ost-Timor nicht tatenlos zuzusehen. "Wir sind wehrlos und können nur auf internationale Hilfe warten." Gusmao rief seine bewaffneten Anhänger zugleich auf, alles zu tun, um Zusammenstöße zu verhindern. Die Ankündigung der Regierung in Jakarta, ihn am 15. September freizulassen, nannte Gusmao einen Wahlkampf-Trick. "Das kann niemand ernst nehmen."

Der australische Außenminister Alexander Downer sagte zu der Forderung, bewaffnete UN-Truppen nach Ost-Timor zu schicken, dazu sei es nun zu spät. "Es wird erst einmal keine Friedenstruppe geben." Auch Diplomaten in Jakarta hielten die Entsendung von Blauhelmen für unrealistisch. Allerdings erwägt UN-Generalsekretär Annan, die unbewaffnete Präsenz der Unamet-Mission zu verstärken.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben