Trotz Todesopfern : Albaniens Opposition macht weiter Druck

Die Proteste albanischer Oppositioneller sollen auch nach dem Tod dreier Demonstranten weitergehen. Ministerpräsident Berisha sieht die Proteste als gewaltsamen Staatsstreich.

Opfer des Protests. Drei Demonstranten wurden in Tirana getötet. Foto: dpa
Opfer des Protests. Drei Demonstranten wurden in Tirana getötet. Foto: dpaFoto: dpa

Tirana - Trotz mehrerer Todesopfer bei Protesten gegen die albanische Regierung will die Opposition die Demonstrationen fortsetzen. Nach dem Ende der Trauerzeit für die drei am Freitag in der albanischen Hauptstadt Tirana erschossenen Demonstranten sollten die Proteste wieder beginnen, sagte am Samstag der sozialistische Oppositionsführer und Bürgermeister von Tirana, Edi Rama. Er wies zugleich Vorwürfe zurück, dass die Opposition mit den Protesten versucht habe, die Regierung zu stürzen.

Ministerpräsident Sali Berisha hatte der sozialistischen Opposition vorgeworfen, sie habe einen gewaltsamen Staatsstreich organisieren wollen und sich „für Albanien ein Szenario wie in Tunesien“ vorgestellt. Der tunesische Präsident Zine El Abidine Ben Ali war nach wochenlangen Straßenprotesten vor gut einer Woche zum Verlassen des Landes gezwungen worden.

In Albanien war am Samstag weiter unklar, wer die Demonstranten erschossen hatte. Berisha gab den Organisatoren der Demonstration die Schuld an ihrem Tod und sagte, sie seien mit Waffen erschossen worden, die Armee und Polizei nicht benutzten. Die Opposition erklärte dagegen, sie seien von der Armee erschossen worden, als sie versucht hätten, in das Parlament einzudringen.

Auf einer Pressekonferenz nannte Rama die Tötung der Demonstranten ein „Staatsverbrechen“, für das Berisha die alleinige Verantwortung trage. Er forderte eine Untersuchung der Todesumstände, damit die „wahren Verantwortlichen“ vor Gericht gebracht würden. Am Samstag wollte die Oppositionsführung an der Beerdigung eines der Opfer nahe Tirana teilnehmen. Wann die anderen Getöteten beigesetzt werden, ist noch unklar, da ihre Leichen zunächst für die weiteren Ermittlungen verfügbar bleiben müssen.

Am Freitag war es vor dem Regierungssitz im Zentrum Tiranas kurz nach Beginn einer Demonstration mit rund 20 000 Teilnehmern zu heftigen Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die Demonstranten warfen Steine und Molotow-Cocktails auf die Sicherheitskräfte, diese setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. Nach Angaben der Polizei wurden 113 Menschen festgenommen, 117 Polizisten wurden verletzt, 42 davon mussten demnach im Krankenhaus bleiben. Die Rettungskräfte berichteten, dass 30 Zivilisten bei den Protesten verletzt wurden.

Albanien befindet sich seit den Wahlen im Juni 2009 in einer politischen Krise. Die sozialistische Opposition erkennt die Wahlergebnisse nicht an und wirft Berishas Demokratischer Partei Manipulation sowie Korruption vor. Sie fordert den Rücktritt der Regierung sowie vorgezogene Neuwahlen. AFP

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben