Politik : Trotzkisten im Linksbündnis – die Führung wacht langsam auf

Matthias Meisner

Berlin - Die Unterwanderung des Linksbündnisses aus PDS und WASG durch die trotzkistische Gruppe „Linksruck“ sorgt für Diskussionen. Der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei/PDS, Dietmar Bartsch, sagte am Sonntag, er betrachte diese Entwicklung aufmerksam. „Mir kommt es auf die inhaltlichen Positionen an“, meinte der PDS-Reformer.

Bartsch spielte damit auf dubiose Aussagen von „Linksruck“-Funktionären zum Nahostkonflikt an. Christine Buchholz, seit März eine von vier WASG-Bundeschefs, hatte im vergangenen Jahr in der „Jungen Welt“ Sympathien für die radikalislamische Hisbollah geäußert: „Die Dämonisierung der Hisbollah ist Teil der ideologischen Kriegsführung. Die Linke sollte dabei nicht mitmachen.“ Buchholz will Vizechefin der Partei „Die Linke“ werden, die im Juni gegründet werden soll. In der PDS-Spitze gibt es erheblichen Widerstand gegen diese Kandidatur. Stefan Liebich, Vizechef der PDS im Berliner Abgeordnetenhaus und einer der Sprecher des Forums Demokratischer Sozialismus, forderte seine Parteifreunde auf, die Entwicklung genau zu beobachten: „Wir vereinigen uns mit der WASG, nicht mit ,Linksruck‘“, sagte er.

Aktivisten von „Linksruck“ setzten am Wochenende durch, dass der neue Hochschulverband der Linken „SDS“ im Titel trägt. In die Führung wurden bei dem Gründungskongress in Frankfurt am Main mindestens zwei Funktionäre von „Linksruck“ gewählt, Luigi Wolf als Geschäftsführer und Julia Meier als Bundesvorstand. PDS-Vizechefin Katja Kipping, die in Frankfurt dabei war, nannte es „unfair“, den Hochschulverband als „Linksruck“-Projekt darzustellen. Sie ermunterte ihre Genossen in der Debatte zu „mehr Gelassenheit“, warnte zugleich aber auch vor „Blauäugigkeit“. Die Initiatoren des Verbandes geben zu, dass sich die Dynamik des neuen Verbandes auch durch die Mitarbeit von „Studierenden aus dem Spektrum des einheitsorientierten und modernen Trotzkismus“ ergebe.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, wies darauf hin, dass „Linksruck“ sich noch in diesem Jahr auflösen wolle. Wohl aus diesem Grund verzichtete er auf weitere Kommentierung. Nach eigenen Angaben will sich „Linksruck“ zwar als eigenständige Organisation auflösen, künftig allerdings als „Netzwerk“ innerhalb der neuen Linken „neu konstituieren“.

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