Trump in Asien : China liebäugelt mit Rolle der USA

Beim Apec-Gipfel in Vietnam tauschen die Präsidenten Chinas und der USA die Rollen: Xi wirbt für Multilateralismus, Trump für nationalen Egoismus.

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Donald Trump, Wladimir Putin und andere Staats- und Regierungschefs der Apec-Staaten beim Gipfel in Vietnam.
Donald Trump, Wladimir Putin und andere Staats- und Regierungschefs der Apec-Staaten beim Gipfel in Vietnam.Foto: REUTERS

Beim Apec-Gipfel in Vietnam zeichnen sich die Konturen einer neuen Weltordnung ab, in der die USA und China vertauschte Rollen einnehmen. US-Präsident propagierte in seiner Rede die Verteidigung nationaler Interessen und bewertete multilaterale Verträge skeptisch. Unter seinen Vorgängern traten die USA als Garant eines liberalen Handelssystems auf. Chinas Präsident Xi erklärte die Bereitschaft zu einer Führungsrolle in einer multipolaren Welt und sprach sich für internationale Abkommen aus. Zuvor hatte China einen protektionistischen Kurs verfolgt und die Mitverantwortung für geostrategische Stabilität gescheut.

Xi und Trump wollen keine offene Konfrontation

Trump und Xi waren bemüht, eine offene Konfrontation zu vermeiden. Trump sagte: „Ich mache China keine Vorwürfe.“ Jedes Land solle für eine Interessen kämpfen. Die USA werden das stärker als bisher tun. Xi betonte: „Wir sollten den Multilateralismus hochhalten, durch Zusammenarbeit und enge Partnerschaft.“ Die 21 Apec-Staaten im asiatisch-pazifischen Raum gelten als das künftige Rückgrat der Weltwirtschaft.

Trump und Xi stehen für unterschiedliche Modelle der Weltordnung. Trump sieht in den Nationalstaaten die Hauptakteure und setzt auf Bündnisse der Nationalstaaten zur Verfolgung ihrer Interessen. Den „indopazifischen Raum“ soll eine Allianz aus den Demokratien USA, Japan, Indien und Australien prägen.

Zwei Modelle der Weltordnung: Nationalstaaten gegen Multilateralismus

China propagiert eine multipolare Welt und liebäugelt damit, die Rolle der USA als Gestaltungsmacht multilateraler Organisationen zu übernehmen. Wo die USA unter Trump austraten – das Klimaabkommen, die Transpazifische Wirtschaftsgemeinschaft TPP – bietet sich China als Retter an. Noch ist aber unklar, ob China die weltpolitische Verantwortung übernehmen möchte, die mit dieser Rolle verbunden wäre, oder in der neuen Rhetorik nur ein Vehikel sieht, um sein Ansehen zu verbessern.

In manchen Gebieten öffnet sich China tatsächlich. Nach Trumps Besuch in Peking kündigte China an, ausländische Finanzdienstleister dürften künftig 51 statt 49 Prozent an Joint Ventures halten, also die Mehrheit. Im Atomkonflikt mit Nordkorea hat China seine Einflussmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft, um die Diktatur von ihren Atom- und Raketentests abzuhalten. Die Kriegsgefahr ist nicht gebannt.

Japan möchte die liberale Ordnung erhalten, auch ohne Trumps USA

Japan, die drittgrößte Volkswirtschaft nach den USA und China, verfolgt einen Mittelweg. Es unterstützt Trumps harten Kurs gegenüber Nordkorea. Nach dem US-Ausstieg aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP arbeitet Japan an einem TPP-11 ohne die USA aber mit demselben Ziel: der Region und damit auch China mit den verbliebenen elf Partnern soziale und marktwirtschaftliche Mindeststandards aufzuerlegen.

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