Trump und die Medien : Angriff ist die beste Ablenkung

Das Vorgehen des Weißen Hauses gegen die Presse dient vor allem einem Ziel: Die Journalisten von der Recherche seiner Moskau-Kontakte abzuhalten. Eine Analyse.

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Demonstrantion für Pressefreiheit vor dem Gebäuder der New York Times in New York.
Demonstrantion für Pressefreiheit vor dem Gebäuder der New York Times in New York.Foto: Kathy Willens / dpa

Eine Hassliebe verbindet Donald Trump mit den Medien. Er kann nicht ohne sie. In New York hingen seine Geschäfte davon ab, dass er sich zur „Celebrity“ stilisierte, erst als Immobilienhai, dann als Entertainmentstar mit eigener TV-Show und Schönheitswettbewerben. Auch sein Ego verlangt permanente Selbstbestätigung durch Schlagzeilen.

In New York lenkte Trump die Berichte über ihn

In New York war er es gewohnt, die Boulevardpresse mit mehr oder minder wahren Stories zu füttern – aus Geltungsbedürfnis oder um abzulenken, wenn eines seiner Projekte in Turbulenzen geriet. Keine Behauptung war zu abwegig. Angeblich verzehrten sich schöne Frauen wie Carla Bruni und Madonna nach ihm. Wehe den Medien, die weiter in den schmutzigeren Stories wühlten, die ihn auch umgaben. Denen schickte er seine Anwälte mit Schadensersatzforderungen auf den Hals.

Dieses Verhaltensmuster aus Geltungsdrang, Schwindeleien, Ablenkung und Drohungen setzt er im Weißen Haus fort – mit begrenztem Erfolg. „Washington Post“ und „New York Times“ lassen sich nicht beirren in ihren Versuchen, mehr über die Kontakte zwischen Trumps Wahlkampfteam und dem russischen Geheimdienst herauszufinden, die US-Dienste angeblich in einem Dossier zusammengetragen haben. Dank ihrer Quellen im Apparat erfahren sie auch, wenn das Weiße Haus Druck auf das FBI ausübt, Wissen über solche Kontakte abzustreiten.

In Washington verliert er die Kontrolle

Das ist der Hintergrund für Trumps Generaloffensive gegen die Presse. Er beschimpft kritische Journalisten als „unehrlich“ und „Feinde des Volkes“. Sein Sprecher schließt missliebige Medien von einem Briefing im Weißen Haus aus. Nun sagt der Präsident die Teilnahme am traditionellen Galadinner mit dem White House Press Corps ab.

Bemerkenswert daran ist: Die großen US-Medien lassen sich, obwohl sie betroffen sind, nur begrenzt auf die Auseinandersetzung ein. Sie berichten nüchtern und behandeln Trumps Umgang mit ihnen wie ein zweitrangiges Thema.

Die größere Story ist jetzt der Sonderermittler zu Russland

Sie sehen darin eine Ablenkung, mit der er sie von der Russlandfährte abhalten will. Den Gefallen wollen sie ihm nicht tun. Die größere Story ist jetzt, ob der Kongress einen Sonderermittler wegen Trumps Kontakten nach Moskau einsetzt.

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