Trumps neuer Kommunikationschef : Großmaul im Weißen Haus

Mit einer unflätigen Schimpfkannonade gegen den Stabschef und den Chefstrategen im Weißen aus schockt Anthony Scaramucci Washington.

Anthony Scaramucci, der neue Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses.
Anthony Scaramucci, der neue Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses.Foto:Pablo Martinez Monsivais/AP/dpa

Er hat die Gossensprache und das Aussehen eines Mafiabosses. Und mit seinem Auftreten hat Anthony Scaramucci, der neue Kommunikationsdirektor im Weißen Haus, sich eine Ausnahme von der Regel, dass man mit Namen nicht scherzen solle, redlich verdient. Im derben italienischen Volkstheater ist der Scaramuz ein Großmaul, das wegen seiner Wortgefechte (scaramuccia) Spott auf sich zieht.

Die vulgäre Sprache ist beispiellos

Der 53-jährige New Yorker wirkt wie eine Karikatur des Aufsteigers, der zum Gernegroß wird. Der Vater war Bauarbeiter, der Großvater wanderte aus der Kleinstadt Gualdo Tadino in Umbrien ein. Scaramucci studierte Jura in Harvard, arbeitete bei der Investmentbank Goldman Sachs, gründete seinen eigenen Investmentfonds, wurde reich. Jetzt will er am Rad der ganz großen Politik mitdrehen. Er agiert nach der Devise „viel Feind, viel Ehr“. Im Weißen Haus legt er sich von Tag eins an mit allen an, die ihm den beanspruchten Einfluss auf den Präsidenten streitig machen könnten.

Der bisherige Sprecher Sean Spicer trat aus Protest zurück, als Scaramucci ihm vor einer Woche vor die Nase gesetzt wurde. Jetzt verfolgt „Mooch“, so der Spitzname, das Ziel, Stabschef Reince Priebus zu vergraulen. Der hatte aus seiner Skepsis keinen Hehl gemacht und die Berufung lange verzögert.

Im Zentrum der Macht sind Grabenkämpfe nicht ungewöhnlich. Fassungslos macht jedoch die vulgäre Sprache, die Scaramucci im Gespräch mit Journalisten über Priebus verwendet, und das Ausmaß der üblen Nachrede. „Reince is a fucking paranoid schizophrenic, a paranoiac“, sagt er. Er wirft dem Stabschef vor, die Quelle der Leaks aus dem Weißen Haus an die Medien zu sein, und kündigt an, Priebus werde bald gefeuert. Mit Stephen Bannon, dem populistischen Gegenpol in Trumps engster Umgebung, verfährt er genauso. Der „lutscht an seinem eigenen Schwanz“ und „versucht sich einen Namen zu machen, indem er sich an die Rockschöße des Präsidenten heftet“.

Trump imponiert, dass Scaramucci CNN zum Rückzug zwang

Trump hält große Stücke auf „Mooch“, obwohl der im Wahlkampf zunächst die republikanischen Konkurrenten Scott Walker und Jeb Bush unterstützte. Er schätzt seine Rücksichtslosigkeit und seinen Durchsetzungswillen. Er soll die Schwachstellen heilen, die Trump am meisten empören: die aus seiner Sicht unfaire Behandlung in den Medien und das Durchstechen von Interna aus dem Weißen Haus an Journalisten. Den Ausschlag, dass Trump Scaramucci berief, obwohl der engste Kreis davon abgeraten hatte, gab, dass „Mooch“ CNN Ende Juni zwang, einen Bericht zu widerrufen, der ihm unlautere Verwicklungen in einen zehn Milliarden Dollar schweren russischen Investmentfonds vorwarf. Zwei Reporter verloren ihre Jobs.

Das imponiert Trump. So wünscht er sich seine Verteidigung gegenüber den Medien. Eines kann Scaramucci freilich gefährlich werden: Wenn er vergessen sollte, dass er Trumps Diener ist und nicht sein ebenbürtiges Alter Ego.

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