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Trumps Video-Skandal im US-Wahlkampf : "Es gibt null Chance, dass ich aufgebe“

Präsidentschaftskandidat Donald Trump denkt trotz des Skandals um vulgäre Äußerungen über Frauen nicht an einen Rückzug aus dem Wahlkampf. Zuvor hatte er sich für die Aussagen entschuldigt.

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Donald Trump.
Donald Trump.Foto: dpa/Jim lo Scalzo

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump denkt trotz des Skandals um vulgäre Äußerungen über Frauen nicht an einen Rückzug aus dem Wahlkampf. „Es gibt null Chance, dass ich aufgebe“, sagte der Republikaner dem „Wall Street Journal“ am Samstag. „Ich gebe niemals, niemals auf (...). Die Unterstützung, die ich erfahre, ist unglaublich, denn Hillary Clinton ist eine Kandidatin mit schrecklich vielen Fehlern.“ Zuvor hatten sich allerdings einige namhafte Parteigenossen von ihm abgewandt.

Kurz vor dem zweiten Fernsehduell der US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton an diesem Sonntag war der Wahlkampf durch die neuen Enthüllungen erschüttert worden. Trump musste sich für extrem vulgäre und frauenfeindliche Bemerkungen entschuldigen, die durch einen Tonaufzeichnung bekannt wurden. Clinton geriet durch die Veröffentlichung von bisher geheim gehaltenen Reden vor reichen Bankern unter Druck. Bei der Fernsehdebatte in St. Louis sind deshalb äußerst scharfe Auseinandersetzungen und gegenseitige Vorwürfe zu erwarten.

In den Umfragen liegt Trump, der das erste Fernsehduell vor knapp zwei Wochen nach Meinung der meisten Beobachter klar verloren hatte, im Durchschnitt knapp fünf Prozentpunkte hinter Clinton. Gut vier Wochen vor der Wahl am 8. November braucht der 70-jährige Republikaner in der zweiten Runde deshalb einen klaren Erfolg gegen seine demokratische Rivalin.

Einen Rückschlag musste Trump wegen der Veröffentlichung eines Audiomitschnitts aus dem Jahr 2005 einstecken, der der „Washington Post“ zugespielt wurde. Darin spricht der damals frisch verheiratete Trump davon, dass er vergeblich versucht habe, Sex mit einer verheirateten Frau zu haben, und dass er häufig fremde Frauen küsse. Wenn man ein „Star“ sei, könne man sich bei Frauen alles erlauben und ihnen sogar zwischen die Beine greifen.

Melania Trump kritisierte ebenfalls ihren Mann. „Die Worte, die mein Mann benutzt hat, sind inakzeptabel und beleidigend für mich. Dies spiegelt nicht den Mann wider, den ich kenne. Er hat das Herz und Gemüt einer Führungsperson“, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten schriftlichen Erklärung. Sie hoffe aber, „dass Leute seine Entschuldigung annehmen, wie ich es getan habe.“
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Der Frauenfeind Donald Trump

Der Audio-Clip verstärkte Zweifel an der charakterlichen Eignung von Trump für das Präsidentenamt. Der Milliardär hatte in den vergangenen Monaten bereits mit vielen abfälligen Bemerkungen über Frauen, Einwanderer und Muslime von sich reden gemacht. Um Clinton zu schlagen, braucht Trump, dessen Anhängerschaft vor allem aus weißen Männern aus der unteren Mittelschicht besteht, dringend die Unterstützung weiblicher Wähler. Die Veröffentlichung des Audiomitschnitts dürfte es ihm schwerer machen, diese Wählergruppe für sich zu gewinnen.

Clinton erklärte, die jetzt bekannt gewordenen Äußerungen zeigten, warum Trump nicht Präsident werden dürfe. Auch namhafte Parteifreunde Trumps zeigten sich entsetzt. Parteichef Reince Priebus, der für Samstag eine gemeinsame Veranstaltung mit Trump geplant hatte, lud den Kandidaten öffentlich wieder aus. Einige konservative Kommentatoren forderten die Ablösung Trumps als Präsidentschaftskandidat.

In der Nacht zum Samstag veröffentliche Trump per Video eine Erklärung, in der er sich entschuldigte. Zugleich aber warf er Clintons Ehemann, dem für seine außerehelichen Affären bekannten Ex-Präsidenten Bill Clinton, ein noch viel schlimmeres frauenfeindliches Verhalten vor. Trump deutete an, dieses Thema bei der Debatte in St. Louis zur Sprache bringen zu wollen.

Die Bankenfreundin Hillary Clinton

Fast gleichzeitig mit dem Wirbel um Trumps Äußerungen veröffentlichte Wikileaks Auszüge aus Reden von Hillary Clinton bei Veranstaltungen von Privatbanken aus den vergangenen Jahren. In den Ansprachen, für die Clinton insgesamt mehr als 20 Millionen Dollar erhalten haben soll, spricht sich die Demokratin für Freihandel aus und nimmt die Banken mit Blick auf die Finanzkrise von 2008 in Schutz. Im Wahlkampf vertritt Clinton inzwischen wesentlich protektionistischere Positionen. Bisher hatte sie sich geweigert, die Reden zu veröffentlichen.

Wikileaks stützte sich auf Mails von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta, die von Unbekannten widerrechtlich angezapft worden waren; Podesta bestritt die Echtheit der Mails nicht und machte Russland für die Veröffentlichungen verantwortlich. Die US-Regierung hatte Moskau am Freitag vorgeworfen, mit Cyberangriffen in den amerikanischen Wahlkampf eingreifen zu wollen. Im Sommer waren schon einmal interne Mails der Demokratischen Partei bekannt geworden, die nach Expertenmeinung von russischen Hackern abgegriffen worden waren. Moskau weist die Vorwürfe zurück. (mit dpa)

 

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