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Trumps Wahlkampfmanager : Manafort taucht in Kontounterlagen prorussischer Partei in Ukraine auf

Paul Manafort, Trumps Wahlkampfmanager, wird in Kassenaufzeichnungen einer prorussischen Partei in der Ukraine genannt. Trump will heute Abend über Islamismus sprechen.

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Paul Manafort, Wahlkampfmanager von Donald Trump, gerät unter Druck.
Paul Manafort, Wahlkampfmanager von Donald Trump, gerät unter Druck.Foto: dpa

Nach mehreren Rückschlägen in den vergangenen Wochen gerät der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump nun wegen mutmaßlicher Millionenzahlungen pro-russischer Kräfte an seinen Wahlkampfmanager unter Druck. Ukrainische Ermittler sind laut der „New York Times“ auf Aufzeichnungen über Zahlungen aus der Parteikasse des Moskau-treuen ehemaligen ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch an Trumps Wahlkampfmanager Paul Manafort gestoßen. Dieser weist alle Anschuldigungen zurück. Die Vorwürfe wurden kurz vor einer außenpolitischen Rede Trumps bekannt, in der dieser mit einem Konzept zur Bekämpfung des "Islamischen Staates" (IS) der wachsenden Kritik auch aus den eigenen Reihen begegnen will.

Trump werden schon seit langem starke Sympathien für Russland nachgesagt. Er hatte in der Vergangenheit mit lobenden Worten über den russischen Staatschef Wladimir Putin für Aufsehen gesorgt. Kürzlich hatte der Milliardär zudem Putins Annexion der Krim mit den Worten verteidigt, nach seinem Eindruck werde die Einverleibung der Halbinsel durch Russland von den meisten Bewohnern der Krim unterstützt. Zudem rief Trump die Russen öffentlich auf, rund verschwundene 30.000 E-Mails aus der Amtszeit seiner Rivalin Hillary Clinton als US-Außenministerin zu beschaffen. Russische Hacker werden für fortgesetzte Cyber-Angriffe auf Computernetzwerke von Clintons Demokratischer Partei verantwortlich gemacht.

Manafort, 67, arbeitete in den vergangenen Jahren als Berater für Janukowitsch und half dem Ex-Präsidenten sowie dessen Partei bei Wahlen. Die „New York Times“ meldete, Anti-Korruptionsermittler in Kiew hätten in handschriftlichen Dokumenten aus dem Hauptquartier von Janukowitschs ehemaliger Regierungspartei auch Manaforts Namen gefunden. Von 2007 bis 2012 seien Barzahlungen von insgesamt 12,7 Millionen Dollar aus schwarzen Kassen an den Trump-Berater verzeichnet worden. Ob das Geld tatsächlich geflossen sei, stehe aber nicht fest. Gerichtsunterlagen deuten der „New York Times“ zufolge zudem darauf hin, dass Manafort von Briefkastenfirmen profitierte, mit denen Janukowitsch und dessen Entourage öffentliche Gelder beiseite geschafft haben sollen.

Manafort will keine Zahlungen erhalten haben

Manafort erklärte, er habe keine Barzahlungen erhalten, und warf der „New York Times“ eine Rufmord-Kampagne vor. Auch Manaforts Anwalt Richard Hibey sprach von unbewiesenen und offenbar politisch motivierten Vorwürfen. Manafort solle „angeschwärzt“ werden.

Die neuen Vorwürfe sind eine weitere Belastung für Trumps Wahlkampf, der bereits wegen der vielen kontroversen Aussagen des Kandidaten, offener Kritik aus der republikanischen Partei an Trump und wegen sinkender Umfragewerte in der Defensive ist. Im Durchschnitt landesweiter Umfragen liegt Trump rund sieben Prozentpunkte hinter Clinton. Die Befragungen legen zudem nahe, dass der 70-jährige Unternehmer in einer Reihe besonders umkämpfter und für den Wahlausgang wichtiger Bundesstaaten an Boden verliert.

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Diesen Trend wollen Trump und seine Berater mit einer neuen Konzentration auf Sachthemen stoppen. Vergangene Woche legte der Kandidat sein wirtschaftspolitisches Programm vor, nun sollen außenpolitische Pläne folgen. Trump hatte im Vorwahlkampf mit der Forderung nach einem generellen Einreisestopp für Muslime für Furore gesorgt. Inzwischen hat er diese Position mehrfach revidiert. Laut Medienberichten wollte er am Montag in einer Rede in Ohio eine neue Haltung präsentieren. Demnach soll der Einreisestopp für Einzelpersonen aus besonders vom Terrorismus betroffenen Ländern gelten, in denen die USA keine Möglichkeiten für eine gründliche Überprüfung von Visa-Antragstellern haben.

Wie der Nachrichtensender CNN unter Berufung auf ungenannte Berater Trumps meldete, will Trump zur Bekämpfung des "Islamischen Staates" (IS) mehr Zusammenarbeit der USA mit befreundeten Nahost-Staaten fordern. Bemühungen zur Einrichtung demokratischer Systeme in Ländern wie Irak sollen aufgegeben werden. Ähnliches hatte Trump bereits beim Wahlparteitag der Republikaner im Juli gesagt.

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