• Truppen beherrschen ein Drittel abtrünnigen Kaukasusrepublik / Tschetscheniens Präsident Maschadow verhängt Kriegsrecht

Politik : Truppen beherrschen ein Drittel abtrünnigen Kaukasusrepublik / Tschetscheniens Präsident Maschadow verhängt Kriegsrecht

Russische Truppen haben nach den Worten von Ministerpräsident Wladimir Putin in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien die Kontrolle über ein Drittel des Territoriums übernommen. Angesichst der russischen Geländegewinne verhängte Tschetscheniens Präsident Aslan Maschadow das Kriegrecht.

Putin sagte, russischen Einheiten hätten etwa 30 Ortschaften nördlich des Terekflusses eingenommen. Seit dem Beginn der Bodenoffensive am Freitag seien vier russische Soldaten getötet und 22 verletzt worden.

Tschetscheniens Präsident Maschadow begründete die Verhängung des Kriegrechts damit, dass nach den russischen Angriffen die Verteidigungsbereitschaft und Souveränität Tschetscheniens auf dem Spiel stehe. Das Kriegsrecht gilt seit Mitternacht. In seinem Dekret fordert Maschadow religiöse Führer zudem auf, einen "Heiligen Krieg" zu erklären. Alle wehrfähigen Zivilisten sollten die Republik gegen die russischen Truppen verteidigen.

Am Dienstag rückten russische Soldaten auch in das südlich des Terekflusses gelegene Gebiet um Goragorski vor, das etwa 40 Kilometer nordöstlich der tschetschenischen Hauptstadt Grosny liegt. Nach Angaben eines russischen Luftwaffengenerals verlor Moskau seit Sonntag einen Suchoi-Bomber vom Typ SU-25 und einen Kampfbomber vom Typ SU-24.

Als Folge des Konflikts und der anhaltenden Bombardements durch die russische Luftwaffe stieg die Zahl der aus Tschetschenien geflohenen Menschen allein in der Nachbarrepublik Inguschetien auf mehr als 105 000. Das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und andere humanitäre Organisationen leisteten erste Hilfe. Die Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch kritisierte die "völlig ungenügende" Versorgung der Flüchtlinge.

Das 300 000 Einwohner zählende Inguschetien kann nach eigenen Angaben höchstens für 8000 Flüchtlinge ein Dach über dem Kopf bereitstellen. Russischen Behörden zufolge wurden fünf Zeltlager für insgesamt mehr als 20 000 Menschen eingerichtet.

Die Schaffung der von Russland angestrebten "Sicherheitszone", in der auch Flüchtlinge untergebracht werden sollen, ist nach Worten von Premier Putin "noch lange nicht abgeschlossen". Das Endziel sei die "Zerstörung der Terroristen und ihrer Stützpunkte auf dem Territorium Tschetscheniens". Putin sagte der Zeitung "Sewodnja", die Flüchtlinge solltn in leeren Häusern in der "Sicherheitszone" in Tschetschenien untergebracht werden. In den eroberten Gebieten Naurski und Schelkowski nördlich des Terek und in den Sicherheitszonen entlang der Grenzen zu den benachbarten russischen Gebieten soll nach Angaben Putins eine neue Verwaltung eingerichtet werden.

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