Truppenbesuch in Afghanistan : Bundespräsident Köhler spricht indirekt von Krieg

Überraschungsgast in Masar-i-Scharif: Bundespräsident Horst Köhler ist erstmals nach Afghanistan gereist, um deutsche Soldaten zu besuchen. Dem Eindruck der Soldaten, sie seien im Krieg, wolle er nicht widersprechen, sagte Köhler.

Bundespräsident Horst Köhler (r) begrüßt auf dem strategischen Lufttransportstützpunkt in Termes in Usbekistan die Besatzung eines Transportflugzeuges vom Typ Transall. Das deutsche Staatsoberhaupt besucht nach einem fünftägigen Besuch in China die Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan.
Bundespräsident Horst Köhler (r) begrüßt auf dem strategischen Lufttransportstützpunkt in Termes in Usbekistan die Besatzung eines...Foto: dpa

Bundespräsident Horst Köhler ist am Freitag überraschend zum Kurzbesuch deutscher Truppen in Afghanistan eingetroffen. Köhler landete gegen 14 Uhr deutscher Zeit im Bundeswehrcamp nahe der Stadt Mazar-i-Sharif im Norden des Landes. Es ist die erste Reise des deutschen Staatsoberhaupts nach Afghanistan.

Vor Ort sprach Köhler mit Soldaten der Bundeswehr. Nach dem Gespräch im Feldlager Masar-i-Scharif sagte er am Freitag: „Hier, finde ich, fühlen die Soldaten weitgehend, es ist ein Krieg. Und dem werde ich nicht widersprechen.“ Köhler sagte, er sei durch den Besuch eher ermutigt worden. Er ergänzte: „Die Soldaten, die ich gesprochen habe, halten das nicht für eine «mission impossible« (aussichtsloser Einsatz).“ Köhler bezeichnete den Einsatz als richtig und legitim. Er dankte den Bundeswehrangehörigen und betonte: „Sie sind bereit, das Höchste, ihr Leben, für unsere Werte für Frieden, Recht und Freiheit einzusetzen“. Köhler versprach, alles zu
tun, „damit in Deutschland gewürdigt wird, was sie in Afghanistan leisten“.

Der Bundespräsident befindet sich in Begleitung seiner Frau Eva Luise. Bei dem Kurzbesuch wollte der Bundespräsident mit dem Kommandeur des Regionalkommandos in Nordafghanistan, General Frank Leidenberger, sowie mit Soldaten sprechen. Auch wollte Köhler den Ehrenhain besuchen, wo an einer Mauer namentlich an die in Nordafghanistan ums Leben gekommenen Soldaten erinnert wird. Am Abend wollte Köhler nach Deutschland zurückfliegen.

Köhler befindet sich auf dem Rückweg aus China, wo er politische Gespräche geführt und die Weltausstellung Expo 2010 besichtigt hatte. Deutschland hat am Hindukusch an den Standorten Mazar-i-Sharif, Kundus, Faisabad sowie in Kabul derzeit rund 3900 Bundeswehrsoldaten stationiert. (ddp)

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