Tschad : In Frankreich inhaftierte Helfer von Arche de Zoé begnadigt

Drei Monate nach ihrer Verurteilung wegen versuchter Kindesentführung hat Tschads Präsident Idriss Déby sechs Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Arche de Zoé und einen ebenfalls verurteilten Tschadier begnadigt. Der Präsident der Organisation wurde unterdessen noch am gleichen Tag frei gelassen.

Paris/N´DjamenaDie Franzosen waren im Dezember in dem zentralafrikanischen Land wegen versuchter Kindesentführung zu acht Jahren Zwangsarbeit und zur Entschädigung der Familien in Höhe von etwa sechs Millionen Euro verurteilt worden. Sie hatten versucht, 103 angebliche Waisenkinder aus der sudanesischen Krisenregion Darfur illegal nach Frankreich auszufliegen. Die meisten der Kinder stammten allerdings aus dem Tschad und hatten noch Familien.

Arche de Zoé-Präsident Eric Breteau wurde bereits auf freien Fuß gesetzt. Die Freilassung der sechs Organisations-Mitglieder sei nun nur noch eine "Frage von Stunden", erklärte deren Verteidigung. Medienberichten zufolge könnten vier der Franzosen allerdings umgehend wieder in Untersuchungshaft genommen werden. Unabhängig von dem tschadischen Urteil hat die französische Justiz ein Gerichtsverfahren gegen die sechs Franzosen eröffnet, unter anderem wegen Adoptionsbetrugs. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner erklärte in einer Pressemitteilung, er habe "Verständnis" für die Erleichterung der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Dieses "traurige Abenteuer" dürfe nicht am Ruf der Hilfsorganisationen rütteln, fügte er hinzu.

Die Helfer waren nach dem Urteil nach Frankreich gebracht worden. Dort wurde die Verurteilung zu Zwangsarbeit in eine Haftstrafe umgewandelt. Nach einem bilateralen Abkommen konnten die Franzosen aber nur von Déby persönlich begnadigt werden, auch wenn sie in Frankreich ihre Strafe verbüßen. Zunächst war unklar, ob die Millionenstrafe beglichen wurde, die Déby kürzlich noch als Bedingung für ihre Freilassung genannt hatte. Die französische Regierung hatte betont, dass sie nicht dafür aufkommen werde. (cp/dpa)

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