Politik : Tschechien: Kein Bedarf an teuren Kampfjets

Ludmila Rakusan

Nato-Generalsekretär George Robertson hat am Mittwoch in Prag den jungen Bündnispartner Tschechien (seit 1999) kritisiert. Robertson der am Vormittag zu einem offiziellen zweitägigen Besuch eingetroffen war, suchte zuerst Staatspräsident Václav Havel in einem Militärkrankenhaus auf, der sich dort von einer Bronchitis erholt. Im Mittelpunkt der Gespräche Robertsons in Prag stehen neben den Vorbereitungen auf den nächsten Nato-Gipfel im Jahr 2002 in der tschechischen Hauptstadt vor allem die akuten Probleme der tschechischen Armee.

Bereits im vorigen Jahr war Prag aus Brüssel gerügt worden, die Eingliederung in die Nato-Strukturen allzu lasch zu betreiben. Und die gesteckten Ziele wurden bis jetzt nicht erfüllt: Ab Januar sollte etwa eine Fallschirmbrigade die Nato stärken. Wegen mangelnder Ausrüstung kam diese allerdings noch nicht zustande. Das größte Problem bleiben aber nach wie vor schlechte Planung und Logistik. Die Mittel werden nicht effektiv eingesetzt. Laut Verteidigungsministerium befindet sich die tschechische Armee im finanziellen Notstand.

Dennoch beschloss die Regierung im Januar den Kauf von 36 neuen Düsenjägern. Fünf westliche Flugzeughersteller, darunter auch der deutsche Eurofighter-Produzent EADS, sollen bis Ende Mai ihre Angebote einreichen. Robertson zufolge erwarte die Allianz von Tschechien allerdings zurzeit "keinen kostspieligen Ausbau" der Lufwaffe, sondern vor allem optimal ausgerüstete und flexible Bodentruppen. Die für den Kauf der Flugzeuge geplanten Hundert Milliarden tschechischen Kronen, so Robertson Warnung, würden außerdem nicht ausreichen. Die Flugzeuge müssten auch mit den modernsten Waffen bestückt und dann gut gewartet werden. Sonst mache diese Investition keinen Sinn.

Das Verteidigungsministerium bleibt aber uneinsichtig: "Ohne Jagdflugzeuge würde Tschechien die Verteidigung seines Luftraums nicht gewährleisten können und seine Allianzpartner gefährden", so ein Sprecher. Verhandlungen mit westlichen Flugzeugherstellern gehören inzwischen bei Auslandsreisen tschechischer Politiker zum Standardprogramm. Das Handelsministerium untersucht indes den Umfang von möglichen "privaten Gegenleistungen" aus den jeweiligen Ländern. In der Vergangenheit gerieten nämlich viele Geschäfte innerhalb des Verteidigungsressorts unter den Korruptionsverdacht.

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