Politik : Tschechischer TV-Streit: Parlament in Prag sucht nach Lösung der Fernsehkrise

Das tschechische Parlament hat am Freitag in einer Sondersitzung nach einer Lösung im Führungsstreit beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen gesucht. Parlamentspräsident Vaclav Klaus rief die Abgeordneten auf, dem Fernsehen seine Glaubwürdigkeit zurückzugeben. Seinem politischen Gegner Vaclav Havel warf er erneut vor, die Krise hochgespielt zu haben. Er warnte davor, dem Druck von Massendemonstrationen und Interessengruppen nachzugeben.

Zehntausende Tschechen hatten sich in Demonstrationen hinter die protestierenden Journalisten des öffentlich-rechtlichen Fernsehens gestellt. Sie unterstützen die Forderung nach einer Entlassung des neuen Generaldirektors Jiri Hodac, dem die Journalisten politische Voreingenommenheit und zu enge Kontakte zur Demokratischen Bürgerpartei (ODS) von Parlamentspräsident Klaus vorwerfen. Auch der Deutsche Journalisten-Verband und die Europäische Journalisten-Föderation unterstützten die streikenden CT-Mitarbeiter.

Die regierenden Sozialdemokraten sprachen sich inzwischen für einen Rücktritt Hodacs aus. Auch der Vorsitzende der oppositionellen Freiheitsunion, Karel Kuehnl, erklärte am Freitag, unter Hodac sei die Pressefreiheit in Gefahr. Die Regierung sei für eine Manipulation des Senders durch "eine kleine Gruppe von Leuten im Hintergrund" verantwortlich. Die Sondersitzung des Parlaments war auf Antrag der Freiheitsunion und der Christdemokraten einberufen worden.

Hodac wurde weiter im Krankenhaus behandelt, nachdem er am Donnerstag völlig geschwächt in die Intensivstation einer Prager Klinik eingeliefert worden war. Der Zustand sei ernst, habe sich aber gebessert, sagte eine Vertreterin Hodacs.

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