Politik : Tschernobyl: Früher vom Netz?

Die endgültige Abschaltung des ukrainischen Atomkraftwerks Tschernobyl wird nach einer erneuten Panne möglicherweise vorgezogen. Es habe keinen Sinn, Geld für Reparaturen auszugeben und den Atommeiler kurz darauf endgültig vom Netz zu nehmen, sagte der Atom-Experte des ukrainischen Umweltministeriums, Vadim Grischenko, am Montag in Kiew. Die Entscheidung darüber werde in den kommenden Tagen fallen. Zuvor war am Montag der letzte noch in Betrieb befindliche Tschernobyl-Reaktor wegen einer elektrischen Panne ausgeschaltet worden. Dabei trat nach Angaben eines Ingenieurs keine Radioaktivität aus. Die engültige Schließung des Atommeilers war bislang für den 15. Dezember vorgesehen. Vor 14 Jahren war es in Tschernobyl zum bisher schwersten Unfall in der Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie gekommen. Nach inoffiziellen Schätzungen kamen dabei 15 000 Menschen ums Leben.

Die Entscheidung über die vorgezogene Abschaltung solle nach einer eingehenden Untersuchung der Lage getroffen werden, sagte Grischenko, Vize-Direktor der Abteilung für Reaktorsicherheit des ukrainischen Umweltministeriums. Die jüngste Panne übe einen "negativen psychologischen Effekt" auf die Bevölkerung der Ukraine und in ganz Europas aus. Nach Angaben eines Experten war der Reaktor am frühen Montagmorgen automatisch abgeschaltet worden, nachdem es in einer Hochspannungsleitung zu einem Kurzschluss gekommen war. Ersten Angaben zufolge wurde die Panne auf einer international gültigen Skala, die bis zum Gefahrengrad sieben reicht, auf das Niveau null eingestuft. Es war bereits der dritte Zwischenfall in diesem Jahr. Auch aus einem anderen ukrainischen Atomkraftwerk wurde am Montag eine Panne gemeldet. Im Atommeiler Piwdenno Ukrainska sei einer von drei Reaktoren wegen eines Dampflecks im Turbinensystem abgeschaltet worden, sagte eine Sprecherin. Erhöhte Radioaktivität sei nicht gemessen worden.

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