Politik : Tschernobyl: Kredit für Ersatz-Reaktoren

Die endgültige Stilllegung des Unglücks-Atomkraftwerks von Tschernobyl am nächsten Freitag ist weitgehend finanziell abgesichert. Die Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) stimmte am Donnerstag in London der Kreditvergabe für zwei allerdings umstrittene Ersatz-Reaktoren in anderen Regionen der Ukraine in Höhe von 215 Millionen Dollar (446 Millionen Mark) unter bestimmten Auflagen zu. Dazu gehört die Bestätigung, dass die Unglücksanlage von Tschernobyl endgültig geschlossen wird. Deutschland enthielt sich auf der Sitzung des Direktoren-Gremiums der Osteuropabank der Stimme.

Die Ukraine will den letzten Unglücksreaktor-Block von Tschernobyl am Freitag stilllegen. Zu den Bedingungen der EBWE gehört, dass sich auch andere Institutionen zur Mittelvergabe verpflichten, und dass "wichtige Sicherheitsgarantien" erfüllt werden.

Die Gesamtkosten für das Projekt wurden von der EBWE mit 1,48 Milliarden US-Dollar beziffert. Danach übernehmen die Europäische Atomgemeinschaft Euratom 585 Millionen US-Dollar, die russische Regierung 123,7 Millionen US-Dollar, Energoatom 158,6 Millionen US- Dollar und die Ukraine 50 Millionen US-Dollar. Kosten in Höhe von 348,3 Millionen US-Dollar sollen durch Exportkredit-Garantien abgedeckt werden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnete die Entscheidung der Osteuropabank am Donnerstag als eine "reine Gefälligkeit gegenüber der internationalen Atomindustrie". Die G7-Staaten finanzierten damit die Fertigstellung von zwei Atomkraftwerken in Rowno und Chmelnizki, "die nicht nur in hohem Maße unsicher, sondern auch überflüssig und aus wirtschaftlicher Sicht geradezu hirnrissig sind", so Greenpeace.

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